Erste Anklagen im HP-Spionageskandal

6. Oktober 2006, 18:50
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HP-Chef Hurd zunächst nicht angeklagt

Im Spionageskandal beim US-Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) ist Anklage gegen die frühere Direktoriumschefin Patricia Dunn und vier weitere Personen erhoben worden. HP-Chef Mark Hurd muss hingegen zunächst nicht mit einer Strafverfolgung rechnen, wie der kalifornische Generalstaatsanwalt am Mittwoch mitteilte.

Ermittlungen

Allerdings betonte die Justiz, es sei niemand abschließend frei gesprochen worden. Einem Zeitungsbericht vom Donnerstag zufolge ist auch die frühere HP-Chefin Carly Fiorina in den Skandal verwickelt - der WebStandard berichtete. Ob auch gegen sie ermittelt werde, gab die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch nicht bekannt. Dunns Anwalt wies die Anschuldigungen gegen seine Mandantin zurück.

Vertrauliche Informationen

"Eine der ehrwürdigsten unternehmerischen Einrichtungen unseres Staates ist vom Weg abgekommen, als ihr Direktorium versuchte herauszufinden, wer der Presse vertrauliche Informationen zuspielte", sagte der kalifornische Generalstaatsanwalt Bill Lockyer. Bei diesem Bemühen hätten Personen bei HP sowie außerhalb des Unternehmens gegen Gesetze verstoßen.

Neben Dunn müssten sich noch der bei HP für Ethikfragen zuständige Kevin Hunsaker sowie drei weitere Personen vor Gericht verantworten. Den Angeklagten würden unter anderem Verschwörung, der Missbrauch von Telefon-, Radio- und Fernsehübertragungen und das Kopieren von Computer-Daten zur Last gelegt. Für jeden der insgesamt vier Anklagepunkte können maximal drei Jahre Haft verhängt werden sowie Geldstrafen.

Vier Manager

Detektive hatten sich im Auftrag des Konzerns mit Hilfe falscher Identitäten Zugriff auf Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten verschafft. Dadurch wollten sie aufdecken, auf welche Weise Firmeninterna des Computerherstellers an die Öffentlichkeit gelangt waren. Die Affäre hat bisher vier HP-Topmanager ihre Posten gekostet, darunter auch Dunn.

Die "New York Times" berichtete nun, die frühere HP-Chefin Fiorina gab bereits im Jänner 2005 die ersten Untersuchungen zu Kontakten der HP-Führung mit Journalisten in Auftrag. Nach bisherigem Stand fanden die ersten Untersuchungen zu undichten Stellen im Unternehmen im April 2005 statt. Das Blatt berief sich dabei auf die Memoiren der früheren HP-Managerin, die am Dienstag in den Handel kommen sollten und bis dahin nicht zur Veröffentlichung frei gegeben seien. Auszüge des Buches seien an Kritiker verteilt worden mit dem Hinweis auf die Sperrfrist. Ein Mitarbeiter der "New York Times" habe aber am Mittwoch in einer Buchhandlung ein Exemplar kaufen können. (APA/Reuters)

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