Gutes Klima beim Papst und bei Prodi

6. Oktober 2006, 19:21
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Auch Südtirol-Politik Thema der Gespräche Fischers mit Italiens Regierungschef

Rom – Bundespräsident Heinz Fischer ist am Donnerstagabend in Rom im Rahmen seines Staatsbesuches mit Italiens Ministerpräsidenten Romano Prodi und dem italienischen Außenminister, Massimo d‘Alema, zusammengetroffen. Prodi erkundigte sich, wann es in Österreich eine neue Regierung geben werde, weil er an der Vertiefung der Beziehungen großes Interesse habe. Auch das Thema Südtirol wurde angesprochen.

Südtirol-Politik Österreichs

Bereits im Vorfeld hatte Fischer versichert, dass sich an der Südtirol-Politik Österreichs auch nach dem Regierungswechsel in Wien nichts ändern werde, „weil es sich um eine kluge und vernünftige Politik handelt, die ver-_tragstreu ist und dafür sorgt, dass wir uns in gleicher Weise um die Vertretung der Interessen Südtirols und um gute Nachbarschaft mit Italien kümmern. Diese beiden Aspekte gehören zusammen und das wird auch die nächste Regierung, wie immer sie aussieht, berücksichtigen.“ Auf das prächtige spätsommerliche Wetter in Rom anspielend meinte Fischer, man werde auch Südtirol betreffend das „schöne, freundliche Herbstklima aufrechterhalten“.

Die „Schutzklausel“

Die Reise Fischers findet insofern zu einem heiklen Zeitpunkt statt, weil im Parlament in Wien derzeit ein Vier-Parteien-Entschließungsantrag liegt, der vorsieht, die Schutzfunktion Österreichs für Südtirol in der künftigen Verfassung festzuschreiben. Die oppositionellen italienischen Mitte-Rechts-Parteien hatten die Absichtserklärung der österreichischen Parlamentarier vehement kritisiert.

Fischer, der nie ein Hehl daraus gemacht hatte, dass er diese Initiative wenig abgewinnen kann, äußerte sich zu diesem Antrag auf Standard-Anfrage deutlich: „Der Antrag liegt bis 29. Oktober im Parlament, dann beginnt eine neue Legislaturperiode. Entschließungsanträge der alten Periode verlieren dann ihre Wirkung.“ Damit sei dieses Vorhaben also Makulatur. Zuvor hatte Fischer Papst Benedikt XVI. getroffen. Weil der österreichische Präsident der erste offizielle Besuch seit der Rückkehr des Papstes von seinem Sommersitz war, waren die Sicherheitsmaßnahmen sehr streng.

Positiv, freundlich und unkompliziert

Das länger als geplante, rund 40-minütige Gespräch in der Bibliothek des Heiligen Vaters schilderte Fischer als „absolut positiv, freundlich und unkompliziert“. Man habe sich ohne Redevorlagen über den Dialog der Religionen und die besondere Stellung, die der Islam in Österreich innehabe, unterhalten. Fischer überbrachte auch die Einladung der österreichischen Bischofskonferenz zum Besuch im Wallfahrtsort Mariazell im September 2007. Der Papst habe die Einladung „mit Freude angenommen“, berichtete Fischer. (to/DER STANDARD, Printausgabe, 06.10.2006)

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