Mallorcapioniere

8. Oktober 2006, 17:30
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Die 1912 gegründete Bodega Miquel Oliver war unter anderem die erste, die Inoxtanks verwendete, den ersten trockenen Muscat abfüllte, die nationale und internationale Preise abräumte. Ein Kurzportrait

Selbst ein Stromausfall von einem Tag während der Hauptlesezeit– bedingt durch einen Brand in der Stromzuleitung – kann die sympathische Önologin Pilar Oliver, die das Weingut mittlerweile in der 4. Generation führt, nicht aus der Ruhe bringen. Und noch viel weniger hat es einen Einfluss auf ihren innerhalb von Sekunden ansteckenden Enthusiasmus, wenn sie über ihre Arbeit und ihre Weine spricht.

„Weine machen, die mir schmecken“

„Weine machen, die mir schmecken“, „Ich mache keinen Wein, der mir nicht schmeckt“ und „Arbeit muss Spaß machen“, so die Kernaussagen (klingen allesamt sehr sympathisch) der knapp über 30-jährigen Winzerin, die ständig neues probiert, sei es im Bereich der Gärtemperatur, der Crianza oder dem Einsatz von Barriques unterschiedlicher Herkunft oder Toastings. Diese Experimentierfreude dürfte wohl genetisch bedingt sein, waren ihre Vorgänger doch immer schon für Überraschungen gut: Sei es nun der erste Einsatz von Inoxtanks in einer mallorquinischen Bodega, sei es der erste trockene Muskat im Jahre 1987 (den damals übrigens niemand haben wollte, woraufhin man erst 1989 dieses Experiment wieder startete, mit dem Ergebnis, dass ihn die spanische Sommeliervereinigung zu einem der besten Weine Spaniens kürte und der Wein mittlerweile jedes Jahr ausverkauft ist – ob der Wein tatsächlich so großartig ist, ließ sich leider meinerseits nicht verifizieren, da zum Zeitpunkt meines Besuches aus).

Qualität vor Expansion

Warum man nicht einfach mehr Muscat zukauft und diesen verarbeitet? Weil man der Ansicht ist, weiteres Wachstum wäre letztlich der Qualität nicht zuträglich, da die Bodega mit der jetzigen Fläche und Menge (12 ha eigen, 30 zugekauft – Jahresproduktion ca. 300.000 Flaschen) vollends ausgelastet ist und man dafür die Bodega anders organisieren müsste oder bei der Qualität Abstriche machen müsste. Derzeit teilt sich die Bodega in 2 Bereiche: in Manacor befindet sich die Vinifikation, in Petra der Reifekeller (mit rund 500 Barriques), Verkostungsbereich und Verkauf.

Die ständigen Auszeichnungen in in- und ausländischen Medien (Guia Campsa, Guia Penin, Decanter etc.) – vor allem für den Aia und den Ses Ferritges - scheinen dieser Philosophie recht zu geben. Dass diese Erfolge auch nicht unerheblich zur Schaffung der D.O. beigetragen haben, sollte nicht unerwähnt bleiben (Allgemeines über die D.O. Pla i Llevant finden sie im Artikel „Malle 06 – Endlich zu Hause“).

Die Weine

  • Son Caló Blanc de Blanc 2005 – Prensal
    Verhaltene Nase, etwas Apfel, Weissbrot, Kräuter, reifer Eindruck, am Gaumen sehr fruchtbetont, breit, Restzucker?, könnte etwas mehr Säure vertragen, wieder etwas Kräuter im mittleren fruchtig-süßen Abgang
    4 Punkte

  • Son Caló Rosat 2004 – Callet, Fogoneu & Manto Negro
    Viel Himbeer und Erdbeer in der Nase, leicht röstiger Eindruck, Anklänge von Unterholz, erfrischende Säurestruktur, auch hier wieder himbeerdominiert, sehr straighter kurzer Abgang
    3,5 Punkte

  • Son Caló Negre 2005 – Callet & Fogoneu
    Kräutergeprägte Nase, etwas Kirsche und Himbeere, stützende Säure, wirkt am Gaumen sehr leicht und frisch (könnte von der Farbe abgesehen als Rose durchgehen), harmonische Tanninstruktur, mittlerer kräuterdominierter Abgang – lässt mich von einer Speckjause träumen
    6 Punkte

  • Mont Ferrutx 2004 – Callet, Fogoneu, Manto Negro & Tempranillo
    Rote Beeren mit dezenten Röstaromen, etwas Zwetschken, säurebetont, am Gaumen etwas rustikal, wieder reife Beeren, Schoko, Alkohol sehr dominant, mittlerer sehr wärmender Abgang
    5 Punkte

  • Ses Ferritges 2004 – Merlot, CS, Callet & Syrah
    Kräftige Weichsel-Kräuternase, wärmende, feine Holznoten, Tabak, am Gaumen sehr feingliedrig, harmonische Säurestruktur, Tannin perfekt integriert, Frucht geht nie verloren, feines Leder, mineralische Anklänge, kräftiger Körper, langer Abgang, Weichsel und Kräuter kommen wieder, macht Lust auf mehr
    8,5 Punkte

  • Aia 2004 – Merlot
    In der Nase Kräuter, Oliven, Gewürzkorb, Tabak, konzentrierte Beeren, am Gaumen komplex mit fester Tanninstruktur, breitet sich aus, erfrischendes Säuregerüst, wieder viel Frucht, Gewürze, Alkohol sehr gut integriert, langer von Dörrfrüchten begleiteter Abgang
    8 Punkte
    (Klaus Hackl)
  • Miquel Oliver
    C/ Font, 26
    07520 Petra
    Tel. +34 971 5611 17
    www.miqueloliver.com
    • Artikelbild
      foto: klaus hackl
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      foto: klaus hackl
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