Heuriger statt Polizeiarbeit: Bedingte Haft

6. Oktober 2006, 11:45
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Frau mit Hinweisen auf die lange Dauer und Sinnlosigkeit der Anzeigenerstattung abgewimmelt

Wien - Der Kriminalitätsanstieg der vergangenen Jahre dürften die Arbeitsbereitschaft eines Wiener Polizisten arg in Mitleidenschaft gezogen haben: Der 45-Jährige weigerte sich, eine Anzeige aufzunehmen, und wurde nun, nicht rechtskräftig, wegen Amtsmissbrauch zu sieben Monaten bedingter Haft verurteilt.

Eine Kaufhausdetektivin hatte im Oktober 2005 eine minderjährige mutmaßliche Ladendiebin erwischt und wurde von der Schülerin leicht verletzt. Die Frau ging in das nächstgelegene Wachzimmer in Wien-Floridsdorf und wollte Anzeige erstatten. Was dem Beamten nicht so gefiel, war er doch um 19 Uhr beim Heurigen verabredet. Er wimmelte die Frau mit Hinweisen auf die lange Dauer und Sinnlosigkeit der Anzeigenerstattung erfolgreich ab. Als die Detektivin mit ihrem Chef wiederkam flog die Sache auf und der Beamte kam vor Gericht. Seine Rechtfertigung, ein Verfahren gegen die Diebin sei mangels Beweisen nicht möglich gewesen, goutierte Richterin Birgit Schneider übrigens nicht. (APA, moe, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Oktober 2006)

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