Rückenwind für Saakaschwili

6. Oktober 2006, 15:03
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Georgier wählen unter dem Eindruck russischer Sanktionen: Energiekonzern Gasprom droht mit Preiserhöhung

Moskau/Tiflis - Im eskalierten Konflikt zwischen Georgien und Russland wurde am Donnerstag auch das mächtigste Instrument der russischen Außenpolitik ins Spiel gebracht: der Gasmonopolist Gasprom. Wie Geno Malazonia, Chef des größten georgischen Gasimporteurs Energy Invest, sagte, habe Gasprom eine Preissteigerung von derzeit 110 Dollar auf 170 bis 250 Dollar pro 1000 Kubikmeter angedeutet. Dies sei aber schon vor dem Konflikt diskutiert worden.

Vorerst hat Russland den Druck auf Georgiens Führung, die vier der Spionage verdächtigte Offiziere aber schon am Montag ausgeliefert hatte, mit anderen Mitteln verstärkt. Nach der Blockade aller Verkehrswege und der russischen Behördenattacken gegen Georgier und deren Einrichtungen will die russische Einwanderungsbehörde nun den Hunderttausenden Gastarbeitern aus Georgien zusetzen. Visa sollen nur noch 90 statt bisher 180 Tage gültig sein.

Vor dem Hintergrund der Krise mit Russland haben in Georgien am Donnerstag Kommunalwahlen begonnen. Von Anfang an war der Verdacht kursiert, Präsident Michail Saakaschwili habe die Krise zeitlich kalkuliert losgetreten, um seine gesunkene Popularität mittels antirussischer Reflexe wieder zu verbessern. Laut Experten kommen ihm die russischen Sanktionen zupass, seine Partei "Nationale Union" dürfte klar gewinnen. (sed/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2006)

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    Georgiens Präsident Michail Saakaschwilimit Sohn Nikoloz am Donnerstag bei der Stimmabgabe in Tiflis: hoffen auf neuen Popularitätsgewinn.

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