Erbe der Kolonialzeit: Frühere Mau-Mau-Kämpfer fordern Wiedergutmachung

17. Oktober 2006, 14:28
8 Postings

Gerichtliche Klagen angedroht - erstmals soll gegen die heutige Regierung einer ehemaligen Kolonialmacht vorgegangen werden

Nairobi - Ehemalige Unabhängigkeitskämpfer in Kenia haben von der britischen Regierung Entschädigungszahlungen für erlittene Menschenrechtsverletzungen während der Kolonialzeit gefordert. "In der kommenden Woche werden wir der Regierung die Forderungen offiziell übermitteln", kündigte der britische Anwalt Martyn Day in Nairobi an. Dies sei das erste Mal, dass Opfer eines Kolonialregimes gerichtlich gegen die heutige Regierung einer ehemaligen Kolonialmacht vorgehen.

"Wir wollen, dass Großbritannien sich den damals begangenen Menschenrechtsverletzungen stellt und die Opfer Gerechtigkeit erfahren", sagte Mwambi Mwasaru, Direktor der kenianischen Menschenrechtskommission. Die Veteranen des von britischen Truppen niedergeschlagenen so genannten Mau-Mau-Aufstandes (1952-1956) fordern pro Person zwischen 15.700 und 157.000 Euro. Die britische Regierung habe drei Monate Zeit, zu antworten. "Wenn sie nicht auf unsere Forderungen eingehen, werden wir uns ab Jänner durch die Instanzen klagen .... Sie (die Opfer) wollen Gerechtigkeit, noch bevor sie sterben", sagte Day.

Exakte Zahlen der Opfer gibt es nicht. Mau-Mau-Kämpfer haben nach Schätzungen Dutzende weiße Siedler und etwa 2000 pro-britische Kenianer getötet. Die britische Armee ging mit großer Härte gegen die Aufständischen vor. Sie richtete Internierungslager ein, in denen Mau-Mau-Kämpfer angeblich gefoltert wurden. Mindestens 11.000 Unabhängigkeitskämpfer sollen getötet worden sein. (APA/dpa)

Share if you care.