US-Armee dementiert Tod von Kaida-Chef

8. Oktober 2006, 17:13
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Anschläge in Bagdad nehmen dramatisch zu

Bagdad/Wien – Hoffnungen, dass sich unter den bei einer Offensive im Westirak getöteten Rebellen der Chef von Al-Kaida im Irak, Abu Ayyub al-Masri (alias Abu Hamza al-Muhajid), befand, haben sich am Donnerstag vorerst nicht bestätigt. Da jedoch der Tod seines weitaus profilierteren Vorgängers, Abu Musab al-Zarkawi, im Juni keinen Rückgang der Gewalt brachte, im Gegenteil, sind die Erwartungen ohnehin bereits heruntergeschraubt, was die Eliminierung Muhajirs bringen würde.

Die vergangenen Tage haben im Irak gleich zwei dramatische Rekorde gebracht: Laut Washington Post wurde seit Montag in Bagdad die höchste Anzahl von US-Soldaten getötet, die in der irakischen Hauptstadt je innerhalb von drei Tagen Angriffen zum Opfer fielen, nämlich dreizehn. Die höchsten Verluste hatte die US-Armee zuvor immer im Westirak, dem Ausgangspunkt des Aufstandes, erlitten. Das Zentrum der Gewalt verlagert sich jetzt nach Bagdad. Laut US-Armeequellen gibt es durchschnittlich 42 Angriffe täglich gegen US-Truppen in der irakischen Hauptstadt. Dazu kam noch, dass die vergangene Woche die mit der höchsten Zahl von Bombenanschlägen war.

Die Lage der Zivilbevölkerung ist verzweifelt. Die Mahdi-Armee, die Miliz des radikalen Schiitenführers Muktada al-Sadr, von ihm aber nicht völlig kontrolliert, ist auf dem Vormarsch, vertreibt Menschen aus ihren Häusern und hat laut einem CBS-Bericht die Kontrolle über die Spitäler in Bagdad übernommen (das Gesundheitsministerium ist in der Hand der Sadristen) und ermordet dort Sunniten.

Größere Bombenanschläge richten sich jedoch weiter meistens gegen schiitische Ziele. Einer der vier wichtigsten schiitischen Ayatollahs in Najaf, Bashir al-Najafi, hat den USA Parteinahme zugunsten der Sunniten vorgeworfen. Er sagte, die Schiiten würden nicht dulden, dass die USA eine Reinstallierung eines Baath-Regimes erlauben.

Eine traurige Notiz am Rande brachte am Donnerstag die israelische Tageszeitung Ha’aretz: Der letzte jüdische Rabbi verlässt den Irak. Fast alle Juden, die unter Saddam Hussein ausharrten, sind bereits geflohen. Im laufenden Ramadan mehren sich auch die Angriffe gegen Christen. Zehntausende haben den Irak seit 2003 verlassen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2006)

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    Hausdurchsuchung in einem Haus in Ostbagdad. Auch wenn die US-Armee behutsam vorgeht, sie hat die Zivilbevölkerung längst verloren. Und die Sicherheit wird nicht besser.

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