Mutter starb, Flüchtlingskind bleibt

17. Oktober 2006, 17:31
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Rasche Hilfsaktion von Privaten, Stadt Wien und Innenministerium für Zehnjährige

Wien – Barbara K. kann plötzlich an Wunder glauben. Die Phrase wird zwar oft benutzt, wenn Außergewöhnliches erreicht worden ist, in diesem Fall kommt die Einschätzung der Arbeiterkammermitarbeiterin aber schon nahe an die Realität. Hat doch eine gemeinsame Aktion verschiedener Stellen dazu geführt, dass ein zehnjähriges Mädchen aus Georgien, das in Wien als Flüchtling zur Halbwaise wurde, hierbleiben kann – und ihre Halbschwester und Großmutter unbürokratisch die Einreise ermöglicht wird, um beim Begräbnis der toten Verwandten sein zu können.

Anfang 2002 kamen Irina T. und ihre fünfeinhalbjährige Tochter Maria nach Österreich und warteten in einem Flüchtlingsheim auf das Ergebnis des Asylverfahrens. Das Kind wurde in Wien eingeschult, über Schulkollegen entstanden Kontakte mit österreichischen Familien, darunter auch mit der von Barbara K.

Heuer im August wurde Irina T. dann mit Lungenbeschwerden in ein Spital gebracht – wo die Ärzte bei der 41-Jährigen eine weit fortgeschrittene Krebserkrankung diagnostizierten, an der sie wenige Wochen später starb.

Ohne Verwandte in Österreich

"Es war nun das Problem, dass Maria ohne Verwandte in Österreich war, aber kaum mehr Beziehungen zu Georgien hatte", schildert die AK-Mitarbeiter. Denn das Kind sprach zwar perfekt Deutsch, aber kaum georgisch. Der Vater war nicht bekannt, die einzigen Verwandten sind die 23-jährige Halbschwester Nina und die Großmutter in Tiflis.

Hilfe kam von der Wiener Magistratsabteilung 11, dem Amt für Jugend und Familie, das die Obsorge über das Kind übernahm, eine eventuell mögliche Abschiebung verhinderte und für psychologische Betreuung sorgt. Zum Begräbnis von Irina T. können dank des Innenministeriums auch Tochter und Mutter der Toten kommen.

Die beiden fast mittellosen Frauen brauchen nicht nach Moskau für ein Visum reisen, sondern können mit gespendeten Flugtickets direkt nach Wien kommen, wo sie das Aufenthaltsdokument unbürokratisch bekommen werden, wie Iris Müller-Guttenbrunn, Sprecherin von Ministerin Liese Prokop (VP) verspricht. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Oktober 2006)

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