Renaturierung im Nationalpark Gesäuse

12. Oktober 2006, 18:57
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Von EU gefördertes Projekt soll Wasserläufe dreier Flüsse wieder beleben und ursprüngliche Funktion als Lebensraum herstellen

Graz - Wenn im obersteirischen Nationalpark Gesäuse im Bezirk Liezen die Bagger brummen, dann handelt es sich derzeit nicht um einen Akt der Umweltzerstörung. Diesmal sorgen die Maschinen dafür, dass Teile der Enns, der Palten und des Johnsbach renaturiert werden. Ein von der EU gefördertes "Life Natur-Projekt" an den Wasserläufen soll die Flüsse wiederbeleben und ihre ursprüngliche Funktion als Lebensraum herstellen.

Das Life-Projekt wurde von der EU im vergangenen Jahr bewilligt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2,3 Mio. Euro, wobei die EU 50 Prozent kofinanziert. Zwei Teilgebiete des Projektes befassen sich mit Flussgestaltung: Programm Johnsbach und Programm Enns. Zur Umsetzung der Pläne am Johnsbach haben vergangene Woche die Bagger an der Mündung des Gewässers in die Enns mit den Arbeiten begonnen. An der zweiten Baustelle - am "Paltenspitz", der Mündung der Palten in die Enns nordöstlich von Selzthal - soll in zwei bis drei Wochen gestartet werden, hieß es seitens des Nationalparks Gesäuse.

Pläne am Johnsbach

Am Johnsbach kooperiert Life mit der Wildbach- und Lawinenverbauung Admont, um die "harten Betonabstürze in ein naturnahes Alpingewässer" zu verwandeln. In der Zusammenarbeit von Schutzwassertechnik und Ökologie soll der Bach seine ursprüngliche Funktionsfähigkeit zurück erhalten und wieder zum vollwertigen Lebensraum für Fische und Uferbewohner werden. Dem Bach soll ein "schöneres Flussbett mit fischgerechten Kaskaden, Kiesbänken, Buchten und Aufstiegen" gegeben werden, hieß es aus dem Nationalparkbüro.

Am Paltenspitz will das Life-Projekt auf einem fünf Hektar großen Gelände, das vom Kooperationspartner Land Steiermark angekauft wurde, eine Wildfluss-Landschaft errichten. Obwohl die Enns in diesem Gebiet auf weiten Strecken schön bewachsen sei, störe der "reichlich öde gleichförmige Kanal mit glatten und immer gleich breiten Ufern", erklärten die Nationalpark-Betreiber. Am Paltenspitz sollen Flutrinnen, Altarme und Restwassertümpel eine Ahnung davon vermitteln, wie das Bett des früheren Wildflusses ausgesehen haben mag. Das Vorhaben dient auch dem Hochwasserschutz: Anlaufende Flutwellen sollen in den Armen einen so genannten Retentionsraum, also Raum zum Abbremsen, finden.

Das Ziel des Life-Projekts ist die nachhaltige Verbesserung der Lebensräume an der Enns. Die Eingriffe an den Uferverbauungen und im Forst sowie die Wiedereinbindung von Aubereichen sollen die Überlebenschancen gefährdeter Tiere und Pflanzen erhöhen. An beiden Baustellen werden Webcams den Fortschritt der Baumaßnahmen für Internetbenutzer übertragen. (APA)

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    Idyllischer Blick auf den Nationalpark im Archivbild, Teilgebiete sollen nun renaturiert werden.

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