Renault/Nissan nach GM-Abfuhr weiter auf Partnersuche

22. Oktober 2006, 19:03
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Als Alternative könnte sich der US-Konzern Ford anbieten, der schon früher Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet hat

Hamburg - Nach dem Scheitern der Gespräche über eine Dreier-Allianz mit General Motors (GM) suchen die beiden Autobauer Renault und Nissan weiter nach einem Partner in Nordamerika. Als Alternative könnte sich der US-Konzern Ford anbieten, der schon früher Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet hat.

Ford steckt zwar tief in der Krise und hat seinen Sanierungskurs jüngst verschärft. Wegen der Aktionärsstruktur der Nummer zwei am US-Markt wird die Durchsetzung einer Partnerschaft von Branchenexperten aber für einfacher gehalten als bei GM.

Bei Ford hält die Familie einen Kontrollanteil und hat damit großen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen. Wenn sie für eine Partnerschaft mit Renault/Nissan gewonnen würde, könnte das Bündnis eher realisiert werden, vermuten Analysten. Bei GM hatte sich Großaktionär Kirk Kerkorian vergeblich für eine Allianz mit Renault/Nissan eingesetzt. Er hält nur knapp zehn Prozent am größten Autobauer der Welt.

Erweiterung der Partnerschaft

Nissan bekräftigte am Donnerstag sein Interesse an einer Erweiterung seiner Partnerschaft mit Renault um einen Autobauer in Nordamerika. "Aus strategischer Sicht und unter den richtigen Bedingungen wäre es sinnvoll, einen nordamerikanischen Partner zu haben", sagte eine Nissan-Sprecherin.

Branchenexperten halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass sich der neue Ford-Chef Alan Mulally nun gleich in Gespräche mit Renault/Nissan-Chef Carlos Ghosn stürzen wird. Der Anfang September von dem Flugzeugbauer Boeing an die Ford-Spitze gewechselte Mulally hatte dem Autobauer gleich nach seinem Amtsantritt einen beschleunigten Sanierungskurs verordnet. Ford will nun binnen drei Jahren fünf Mrd. Dollar (3,9 Mrd. Euro) einsparen und in Produktion und Verwaltung 45.000 Stellen streichen - ein Drittel der Belegschaft in Nordamerika. 16 Werke sollen geschlossen werden.

Absatzprobleme

Die Nummer zwei am US-Markt kämpft ebenso wie Konkurrent GM bereits seit längerem mit massiven Absatzproblemen auf seinem Heimatmarkt. Allerdings werden dem Marktführer nach ersten Fortschritten bei dessen Sanierung bessere Chancen für eine baldige Erholung eingeräumt als Ford.

"Die Aufgabe bei Ford wäre für Ghosn noch schwieriger als bei GM", sagt Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. Er sehe ein Bündnis mit dem US-Autobauer daher skeptisch. Allerdings wäre die Realisierung einer Zusammenarbeit auf Grund der Aktionärsstruktur von Ford einfacher.

Der frühere Konzernchef Bill Ford hatte sein Unternehmen unlängst bereits für eine Allianz mit Nissan und Renault ins Gespräch gebracht. Nach dem Scheitern der Gespräche mit General Motors hatten die Aktien von Ford am Mittwoch vier Prozent höher geschlossen, nachdem es bereits Spekulationen über Kontakte mit Renault und Nissan gegeben hatte. Weder Renault noch Ford wollten sich zu den Spekulationen äußern.

In ihren Verhandlungen über eine Partnerschaft waren sich GM und Renault/Nissan nicht einig geworden, ob sie von den erwarteten Synergieeffekten gleichermaßen profitieren würden. Als Hauptgrund für das Scheitern nannten die Firmen die Weigerung von Renault und Nissan, eine von GM geforderte Kompensation in Milliardenhöhe zu zahlen. Nach Ansicht von Ghosn hätte eine solche Zahlung dem Geist der angestrebten Kooperation widersprochen.

GM-Chef Rick Wagoner geht nach Einschätzung von Analysten keinesfalls geschwächt aus den Verhandlungen mit Ghosn hervor. Er kann sich auf das einstimmige Votum des Verwaltungsrats gegen eine Allianz mit Renault/Nissan berufen und sich nun ganz auf die Sanierung des Weltmarktführers konzentrieren. Der US-Konzern sei aber weiter für Bündnisse mit anderen Autoherstellern offen, betonte Wagoner. GM leidet ebenso wie Ford unter Marktanteilsverlusten auf seinem Heimatmarkt und hat im vergangenen Jahr 10,6 Mrd. Dollar Verlust gemacht. (APA/Reuters)

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