Zweiter Rücktritt in Sex-Affäre

8. Oktober 2006, 22:51
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ABC: Präsident des Abgeordnetenhauses war informiert

Washington - Knapp einen Monat vor den Kongresswahlen in den USA wird die Sex-Affäre um einen republikanischen Abgeordneten immer mehr zur Belastung für die Partei von Präsident George W. Bush. Am Mittwoch (Ortszeit) trat ein enger Mitarbeiter des einflussreichen Abgeordneten Tom Reynolds in der Affäre um mutmaßliche sexuelle Belästigungen junger Kongressmitarbeiter zurück. Bürochef Kirk Fordham begründete seine Entscheidung damit, dass vor den Wahlen möglichen politischen Schaden von Reynolds abwenden wolle. Fordham ist ein enger Freund des bereits zurückgetretenen republikanischen Abgeordneten Mark Foley, der teils minderjährige Kongresspagen sexuell belästigt haben soll.

"Es ist klar, dass die Demokraten mich zu einem politischen Problem im Wahlkampf meines Chefs machen wollen, und ich werde es ihnen nicht erlauben", erklärte Fordham. Der Fernsehsender ABC berichtete, Fordham habe vor drei Jahren den engsten Mitarbeiter des Präsidenten des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, über Foleys Fehlverhalten informiert. Dem Republikaner Hastert sei der Fall Foley zu Ohren gekommen. Zuvor hatte ABC berichtet, dass Foley einigen im Kongress angestellten jungen Männern unmissverständliche E-Mails geschrieben und vermutlich sogar eine Beziehung mit einem 16-Jährigen gehabt habe.

Führende Demokraten im Kongress forderten persönliche Konsequenzen der Republikaner-Führung. "Es ist klar, dass das ungebührliche, unmoralische und möglicherweise kriminelle Verhalten bekannt war, und die Führungsspitze hat nichts dagegen getan", sagte Senatorin Dianne Feinstein. "Die Führung sollte gehen." Das Vertrauen der Öffentlichkeit sei schwer beschädigt.

Aus den Reihen der Republikaner wurde der Ruf nach einem Rücktritt Hasterts jedoch zurückgewiesen. Stattdessen wurde weiter Empörung über Foley geäußert, dessen Erklärungsversuche, er sei selbst als Jugendlicher von einem Geistlichen sexuell missbraucht worden, als unzureichend abgetan wurden. Foley hatte sich als Abgeordneter unter anderem dadurch hervorgetan, dass er sich gegen Pädophilie engagierte.

"Er (Foley) hat sich selbst diffamiert, er hat den Kongress diffamiert", erklärten die prominenten republikanischen Abgeordneten Mike Pence und Joe Pitts. Bei den am 7. November anstehenden Kongresswahlen waren Foley gute Chancen eingeräumt worden, seinen demokratischen Herausforderer Tim Mahoney zu besiegen. Die Republikaner könnten am 7. November erstmals seit 1994 ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus wieder an die Demokraten verlieren. (APA)

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