Zigarettenlose deutsche Bühnen?

5. Oktober 2006, 12:33
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Deutscher Bühnenverein sieht in Verbot künstlerische Freiheit verletzt: Was tun mit Ibsen oder Tschechow?

Köln - Der Deutsche Bühnenverein lehnt ein generelles Rauchverbot in Inszenierungen ab. Die Bundesregierung müsse ihr geplantes Nichtrauchergesetz so einschränken, dass die künstlerische Freiheit nicht verletzt werde, sagte der Direktor des Bühnenvereins, Rolf Bolwin, am Mittwoch in Köln: "In vielen Dramen finden Sie Hinweise wie: 'Er zündet sich eine Zigarette an.' Das kann man nicht einfach weglassen."

Der Bühnenverein habe in dieser Sache bereits an die Bundesregierung geschrieben, darauf aber nur eine sehr allgemeine Antwort erhalten. "Die Äußerungen bisher sind völlig undifferenziert", sagte Bolwin. Es sei "nicht einzusehen", warum im Theater ein generelles Rauchverbot gelten solle, in Gaststätten aber der Betreiber selbst entscheiden dürfe. Zumindest das Bühnengeschehen selbst müsse aus künstlerischen und rechtlichen Gründen immer ausgenommen werden.

Als Regieanweisung des Autors komme Rauchen unter anderem in Henrik Ibsens "Nora" oder in "Onkel Wanja" und "Die Möwe" von Anton Tschechow vor. Es könne aber auch die Entscheidung des Regisseurs sein, auf der Bühne rauchen zu lassen. "Der Regisseur Jürgen Gosch hat sogar im 'Zerbrochenen Krug' rauchen lassen", sagte Bolwin. "Und in seiner 'Ambrosia'-Inszenierung wurde Kette geraucht." Dies sei ein Symbol für den Absturz des bürgerlichen Mittelstandes gewesen.

Tricks, mit denen das Rauchen auf der Bühne nur vorgetäuscht werden könne, seien ihm nicht bekannt: "Meines Wissens gibt es da technisch noch gar nichts." Meist handele es sich aber auch nur um zwei oder drei Züge. In den wenigen Fällen, in denen länger geraucht werde, sei die künstlerische Freiheit höher anzusetzen als die gesundheitliche Belastung. "Möglicherweise muss dann vorher darauf hingewiesen werden, so dass der Zuschauer sagen kann: "Gut, wenn da geraucht wird, dann geh ich da nicht hin." (APA/dpa)

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    Ikone zentraleuropäischer Bühnenethik: Marlboro-Mann Vaclav Havel, hier 1996 noch vor seinen Gesundheitsproblemen. Alles Gute zum 70er, übrigens!

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