USA warnen Nordkorea

6. Oktober 2006, 06:58
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UN-Sicherheitsrat findet keine gemeinsame Linie

Die USA haben Nordkorea mit scharfen Worten vor den Konsequenzen des angekündigten Atomtests gewarnt. Der UN-Sicherheitsrat hat noch keine gemeinsame Linie gefunden. US-Spionagesatelliten sollen in Nordkorea auffällige Bewegungen registriert haben.

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Washington/Tokio - Die USA haben Nordkorea in bisher schärfster Form vor einem Atomtest gewarnt. "Wir werden nicht mit einem atomaren Nordkorea leben, wir werden das nicht akzeptieren", sagte Vize-Außenminister Chris Hill in Washington. Das kommunistische Land könne "eine Zukunft oder diese Waffen haben", jedoch nicht beides. Auch die sonst häufig zerstrittenen Nachbarn Nordkoreas zeigten sich einig in ihrer Ablehnung. Einem japanischen Medienbericht zufolge warnte China seinen Verbündeten davor, den Test tatsächlich auszuführen. Japan wollte am Donnerstagabend im UN-Sicherheitsrat auf eine formelle Verurteilung dringen.

Nordkorea hatte am Dienstag seinen ersten Atomtest angekündigt, ohne dafür jedoch einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Die kommunistische Regierung begründete den Schritt mit einer wachsenden Bedrohung durch die USA.

Welche Schritte die USA genau gegen Nordkorea unternehmen würden, sagte Hill nicht. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um Nordkorea von diesem Test abzubringen", erklärte er vor dem US-Korea-Institut der Johns-Hopkins- Universität. "Wir hätten keine andere Wahl als entschlossen zu handeln, damit Nordkorea ganz sicher versteht - und jedes andere Land versteht - dass dies ein sehr großer Fehler ist."

Ernste Konsequenzen

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete aus New York unter Berufung auf diplomatische Kreise, China habe Nordkorea vor "ernsten Konsequenzen" gewarnt, sollte der Test tatsächlich stattfinden. Diese Botschaft habe Chinas Außenminister Li Zhaoxing dem nordkoreanischen Botschafter in Peking übergeben. China ist der einzige Verbündete Nordkoreas, das unter anderem von den Gaslieferungen des nördlichen Nachbarn abhängig ist. Offiziell hat China Nordkorea zur Zurückhaltung aufgefordert.

Nicht beschützen

Russland und Südkorea haben einen Test dagegen als "inakzeptabel" verurteilt. Japan kündigte an, den UN-Sicherheitsrat um eine Warnung zu bitten, in der für den Fall eines Tests Konsequenzen angedroht würden. Japan, Großbritannien und Frankreich hätten klar gemacht, dass eine stark formulierte Erklärung nötig sei, sagte der US-Botschafter bei der UN, John Bolton. Sein chinesischer Kollege Wang Guangya sagte dazu: "Ich bin mir nicht sicher, welches Land er meint, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand auf der Welt sie bei schlechtem Verhalten beschützen wird." Laut US-Verteidigungskreisen haben Spionagesatelliten auffällige Bewegungen registriert, die auf Vorbereitungen für einen unterirdischen Test hindeuten könnten.

Mit Sicherheit könne man das jedoch nicht sagen, verlautete aus den Kreisen. Da Nordkorea noch nie einen Atomtest vorgenommen habe, "wissen wir nicht wirklich, wonach wir suchen sollen". (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2006)

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    Südkoreanische Soldaten vor nachgebauten nordkoreanischen Scud-Raketen in einem Museum zum Gedenken an den koreanischen Krieg in Seoul.

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