Pressestimmen: "Achillesferse der Republikaner"

8. Oktober 2006, 22:51
2 Postings

"New York Times": Sex-Skandal stärkt Zynismus in Öffentlichkeit

New York/Turin - Der Sex-Skandal des republikanischen US-Abgeordneten Mark Foley ist Thema internationaler Tageszeitungen am Donnerstag:

"New York Times":

"Wenn es zu Sex-Skandalen kommt, scheinen die US-amerikanischen Wähler vernünftiger zu sein als ihre Politiker. (...) Konservative Politiker versuchen zwar regelmäßig Punkte zu sammeln, indem sie über Homosexuelle schimpfen. Dennoch unterstützen Wähler aus dem stark konservativen Milieu häufig Politiker mit homosexuellen Neigungen. Diese Toleranz schließt aber offensichtlich den republikanischen Abgeordneten Mark Foley nicht ein, der per E-Mail minderjährigen Praktikanten nachstellte - ein unverzeihlicher und wohl illegaler Missbrauch des politischen Vertrauens. Es gibt jedoch Grund zur Sorge, dass die Republikaner nun möglicherweise versuchen werden, daraus eine Hetzkampagne gegen Homosexuelle im Kapitol zu machen.

(...) Aber die Öffentlichkeit davon überzeugen zu wollen, dass Foleys abscheuliches Benehmen in Washington weit verbreitet sei oder die Präsenz Homosexueller auf höchster politischer Ebene Sorge bereiten müsse, wird den Republikanern in diesem Herbst wohl kaum bei den Wahlen helfen. Alles, was man damit erreichen könnte, wäre, dass ein ohnehin deprimierendes Wahljahr noch trüber würde und die Öffentlichkeit, die schon zynisch genug ist, noch zynischer würde."

"La Stampa" (Turin):

"Das, was der Krieg nicht geschafft hat, macht jetzt der Sex. Der Skandal um die gefährlichen Beziehungen zwischen dem republikanischen Abgeordneten Mark Foley und den Praktikanten des Kongresses hat sich in eine Anklageschrift gegen die Führungsposition der Republikanischen Partei verwandelt. Dies zusammen mit den militärischen Problemen im Irak könnte die Partei von Präsident Bush die Mehrheit im Parlament kosten. (...) Bis jetzt war der Irak die Achillesferse der Republikaner, die von dieser ablenken wollten, indem sie die Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen den Terrorismus richteten. Jetzt kommt allerdings eine moralische Frage hinzu, die noch größeren Schaden an der religiösen konservativen Parteibasis anrichten könnte. Es ist ein heikles und nur schwer begreifbares Thema (...), vor allem wenn man bedenkt, dass die Republikaner Clinton ausgerechnet wegen eines sexuellen Skandals aus dem Weißen Haus jagen wollten." (APA/dpa)

Share if you care.