Erst Datenkarten bringen den Durchbruch für UMTS

12. Oktober 2006, 08:24
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Expertenrunde: Moderne Technik ist nur über ihren Nutzen zu verkaufen

"Die beste Technik ist die, die man nicht verstehen muss und trotzdem mit ihr arbeiten kann", so die Worte von ISPA-Geschäftsführer Kurt Einzinger bei der am Mittwoch in Wien stattfindenden Podiumsdiskussion zum Thema Zukunft der Kommunikationstechnik. Der Corporate Consulting Club hatte dazu eine Expertenrunde aus der IKT-Wirtschaft eingeladen. Ein allgemeiner Konsens der Diskutanten herrschte darüber, dass die moderne Technik einen Nutzen für den Konsumenten darstellen muss, um auch angenommen zu werden.

UMTS

Als erstes Beispiel für fehlgeschlagene Nutzenfindung der Industrie führte Karim Taga, Managing Director beim Consultingunternehmen Arthur D. Little, den Start der 3G-Netze an. "Bei der Lizenzvergabe sind die Mobilfunker davon ausgegangen, dass die Kunden bereit sein werden, für die Nutzung der angebotenen Dienste mehr Geld auszugeben", meinte er gegenüber pressetext. Nach Aufbau der Infrastruktur habe man jedoch erkennen müssen, dass dies nicht der Fall sei. "Die Konsumenten sahen keinen unmittelbaren Mehrwert, für den sie bereit gewesen wären mehr Geld zu zahlen", so Taga. Die Netze wurden erst genutzt, als Datenkarten auf den breiten Markt kamen und Kunden erkannten, dass mobiles Internet ein praktischer, zusätzlicher Dienst ist.

Herangehensweise

Von den Experten kritisiert wurde auch die Herangehensweise der Unternehmen im Verkauf ihrer Produkte. "Verkäufer preisen ihre Produkte als Träger von Funktionen an. Dieser Zugang ist falsch", meint Nikolaus Kimla, Geschäftsführer von uptime Systemlösungen. "Was betont werden muss, ist der Nutzen, den ein Gerät dem Besitzer bringt. 90 Prozent der Features eines aktuellen Mobiltelefons werden von seinem Besitzer zumeist ohnehin nicht genutzt." Die Industrie sollte sich darauf konzentrieren, Systeme und Geräte zu schaffen, die dem Käufer - für ihn erkennbar - Arbeit abnimmt und einen Mehrwert schafft. In dieselbe Kerbe schlägt Einzinger, der meint, dass es irrelevant sei, ob der Endverbraucher die Technik versteht: "Es ist nicht wichtig, wie eine Technologie heißt oder wie sie funktioniert, sondern allein, dass sie die Ansprüche erfüllt und das bringt, was der Anwender erwartet."

Optimismus

Der Ausblick in die Technikzukunft fällt durchaus optimistisch aus. Als treibende Angebote werden von den Experten Entertainmentangebote wie IPTV und Video on Demand sowie mobiles VoIP gesehen. Eine Hürde auf dem Weg dahin ortet Taga im Standardisierungskrieg, der sich mit Regelmäßigkeit wiederholt. Aktuellstes Beispiel ist der Formatstreit zwischen Blu-ray und HD-DVD. Bis die Industrie einen gemeinsamen Nenner gefunden hat, werden Geld und Ressourcen vergeudet und der Konflikt auf dem Rücken der Kunden ausgetragen, kritisiert Taga. (pte)

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