US-Staatsanwalt erhebt Anklagen in HP-Bespitzelungsaffäre

6. Oktober 2006, 10:05
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Ehemaliger Aufsichtsratschefin Dunn und dem Ex-Direktor für Ethikfragen Hunsaker drohen Gefängnis und hohe Geldstrafen

In der Affäre um die Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsratsmitgliedern des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) müssen sich zwei ehemalige ranghohe Manager vor Gericht verantworten. Die kalifornische Staatsanwaltschaft erhob am Mittwoch (Ortszeit) Klage gegen die zurückgetretene Aufsichtsratschefin Patricia Dunn und den ehemaligen Direktor für Ethikfragen, Kevin Hunsaker, wie Staatsanwalt Bill Lockyer in Sacramento vor Journalisten sagte. Zudem wurden drei weitere Männer wegen der Beteiligung an der Affäre angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu zwölf Jahre Haft und Geldstrafen in einer Höhe von rund 65.000 Dollar (51.246 Euro).

Vorwurf

Den Angeklagten werden dem Staatsanwalt zufolge betrügerisches Abhören, der Missbrauch von Computerdaten, Identitätsdiebstahl und Verschwörung vorgeworfen. Lockyer beantragte nach eigenen Angaben Haftbefehle für die Beschuldigten. Mit ihren Aktivitäten hätten die Betroffenen gegen das Recht auf Privatsphäre verstoßen, sagte Lockyer. Eines der "ehrwürdigsten Unternehmen" Kaliforniens sei durch die Affäre vom Weg abgekommen. HP gehört zu den Pionieren der Software-Industrie im kalifornischen Silicon Valley, weltweit hat der Konzern rund 150.000 Angestellte.

Anfang September war bekannt geworden, dass Privatdetektive im Auftrag von HP unter falschem Namen die Daten von privaten Telefonaten von Mitgliedern des Gremiums sowie von Journalisten beschafft hatten. Sie sollten herausfinden, wie interne Überlegungen des Verwaltungsrats an die Presse kommen konnten. In Folge des Skandals waren Dunn und Hunsaker zurückgetreten. Die Ex-Aufsichtsratschefin hatte noch in der vergangenen Woche bei einer Anhörung vor einem Kongressausschuss ihre Unschuld erklärt. Der Jurist Hunsaker hatte die Aussage verweigert - mit Verweis auf das Verfassungsrecht, sich nicht selbst zu belasten.

Ermittler

Neben Dunn und Hunsaker wurden die seinerzeit von HP beauftragten Privatermittler Ronald DeLia und Matthew Depante sowie der Unternehmensmitarbeiter Bryan Wagner angeklagt. Der Klageschrift zufolge arbeiteten DeLia und Dunn in der Affäre eng zusammen. Der Detektiv habe der Managerin im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass er die Telefonprotokolle von Journalisten und HP-Aufsichtsratsmitgliedern mit Hilfe von "Tricks" beschafft habe. Dunn wiederum soll laut Staatsanwaltschaft den Privatdetektiv mit Telefonnummern von Aufsichtsratsmitgliedern versorgt haben.

Dunns Anwalt kritisierte die Klageerhebung gegen seine Mandantin. Diese sei der Höhepunkt einer gut finanzierten und gezielten "Desinformationskampagne", sagte Jim Brosnahan. Die Anschuldigungen richteten sich gegen "die falsche Person". HP wollte sich in einer Erklärung nicht zu den Vorwürfen äußern, sicherte den Justizbehörden jedoch Kooperationsbereitschaft zu. (APA)

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    Die ehemalige Aufsichtsratschefin von HP, Patricia Dunn, bei ihrer Anhörung vor dem US-Kongress

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