RFID-Kundenmanagement: "Europa noch nicht reif"

12. Oktober 2006, 08:25
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SoLo IT stattet Shopping-Center mit funkenden CRM-Lösungen aus

"Europa ist noch nicht reif genug für große RFID-gestützte CRM-Systeme", meint Michael Maurer, Sprecher von SoLo IT Solutions. Das österreichische Unternehmen hat kürzlich einen großen Auftrag aus Dubai an Land gezogen und wird dort große Shopping-Center mit Kundenmanagement-Systemen (CRM) mit RFID-Unterstützung ausstatten. "In den USA und in Dubai ist das Interesse am Fortschritt bei diesem Technologien größer. Zudem haben die Menschen zur Verarbeitung von personalisierten Daten einen anderen Zugang", ist Maurer im Gespräch mit pressetext überzeugt.

Technik

SoLo bietet CRM-Lösungen, mit denen Handelsunternehmen personalisierte Informationen an ihre Kunden liefern können. Dazu werden die Einkäufer mit Kundenkarten ausgestattet, die einen RFID-Chip integriert haben. Beim Betreten des Geschäfts wird dies vom System registriert und der Kunde erkannt. Über das CRM, in dem seine Einkaufsgewohnheiten gespeichert sind, können nun auf gut platzierten Screens aktuelle Sonderangebote, die zu dem Profil passen, visualisiert werden. Der Vorteil für das Geschäft liege auf der Hand. "Kunden werden gezielt angesprochen und ihnen interessante Angebote unterbreitet", führt Maurer aus.

Bis derartige Systeme auch in Europa im großen Stil umgesetzt werden, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Dennoch ortet Maurer auch in der heimischen Region ein Umdenken. "2007 wird es interessant werden. Bislang wurde viel darüber gesprochen, jedoch wenig umgesetzt", so der SoLo-Sprecher. Allmählich würden sich jedoch Argumente wie Produktivität und Effektivität gegen die Skepsis gegenüber der neuen Technik durchsetzten. "Es geht darum, dass man genauer auf den Kunden eingehen kann. Das bringt auch für die Konsumenten eindeutige Vorteile", erläutert Maurer.

Kritik

Kritik von Seiten des Datenschutzes nehme SoLo jedoch ernst: "Wir bewegen uns mit unseren Lösungen klar innerhalb des gesetzlichen Rahmens und halten Vorschriften zum Datenschutz ein", erklärt Maurer. Außerdem würde es den gefürchteten Gläsernen Menschen bereits geben. "Kundenkarten, die von Handelsketten ausgegeben werden, haben genau denselben Zweck. Man sammelt Daten über die Vorlieben und Kaufeigenschaften des Kunden und kommt ihm mit speziellen Angeboten, die auf die Person zugeschnitten sind, entgegen."

Das SoLo-System ist derzeit noch im hausinternen Testbetrieb. In den kommenden Wochen will man das System installieren und in den Echtbetrieb gehen. "Langfristig ist es das Ziel, das CRM-System mit der Lagerverwaltung, der Bestellung, dem Vertrieb und den Lieferanten zu verbinden, um eine geschlossene Warenkette zu realisieren", sagt Ferdinand Rubel, Bereichsverantwortlicher RFID bei SoLo. Um das endgültig umsetzen zu können, sei von Seiten der Industrie jedoch noch einiges an Arbeit zu leisten. "Im Bereich der RFID-Tags ist eine weltweite Standardisierung notwendig. Nur mit generell gültigen Normen kann sichergestellt werden, dass sich die Halbschuhe aus China auch mit dem Wareneingangssystem in einem heimischen Geschäft verstehen", so Rubel im pressetext-Inteview.

Kostenfragen

Weiters sollten die Tags sowie die Erfassungsgeräte leistungsfähiger gemacht werden, zeitgleich aber auch billiger. NEC hat kürzlich ein Lesesystem entwickelt, das mehrere Chips zugleich lesen kann und dabei weniger fehleranfällig ist als bisherige Lösungen. Die Fehlerquote bei heutigen Systeme liegt laut NEC produzieren bei zehn bis 20 Prozent, sobald mehrere RFID-Tags parallel erfasst werden müssen. Die Japaner haben nun ein im UHF-Frequenzband arbeitendes Komplettsystem entwickelt, bei dem die Funkübertragung nicht direkt zwischen Leseeinrichtung und Tag erfolgt, sondern einen indirekten Weg über Reflektoren nimmt. Diese sind an dem Tor, durch das die Waren in die Halle gebracht werden, angebracht. Passieren die Pakete das Torsystem, werden die Tags erfasst. Leser und Chip dürfen dabei bis zu sechs Meter auseinander sein. (pte)

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    foto: future-store.org

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