Zur Bedeutung Hannah Arendts

13. Oktober 2006, 20:22
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100. Geburtstag der Geisteswissenschafterin Anlass für internationale Konferenz - Eröffnungsvortrag hält ihr letzter Assistent Jerome Kohn

Berlin - Die Bedeutung von Hannah Arendts Arbeiten für die Gegenwart untersucht vom 5. Oktober an eine Konferenz in Berlin mit WissenschafterInnen aus Europa und Amerika. Anlass ist der 100. Geburtstag der Geisteswissenschafterin, die 1906 in Hannover geboren wurde und 1975 in New York starb. Der amerikanische Philosoph Jerome Kohn hält den Eröffnungsvortrag über "Ursprünge und Aktualität des Denkens von Hannah Arendt" - er war Arendts letzter Assistent in New York. Arendt war nach der Machterübernahme der Nationalsozialisten aus ihrem Geburtsland Deutschland geflohen.

Auch die Bedeutung von Arendts Zeit als junge Studentin für ihr späteres Werk wird behandelt. "Das ist ein Thema, dass bisher zu wenig Beachtung gefunden hat", sagte die Leiterin des Hannah Arendt-Zentrums an der Universität Oldenburg, Prof. Antonia Grunenberg. Die deutsch-amerikanische Geisteswissenschafterin sei neben dem Zionismus vor allem durch die Existenzphilosophie der 20er Jahre geprägt worden.

Prägung des Begriffs "Banalität des Bösen"

Arendt, die in ihrem Hauptwerk "Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft" (1951) Nationalsozialismus und Stalinismus miteinander verglich, galt während des Kalten Krieges bei vielen Linken als Antikommunistin. Heftige Kritik löste sie mit ihrer Berichterstattung über den Prozess 1961 gegen Adolf Eichmann aus, der während des NS-Regimes die Deportation von Millionen Juden und Jüdinnen in deutsche Vernichtungslager im damals besetzten Osteuropa organisierte. Mit dem Begriff "Banalität des Bösen" beschrieb sie, dass der Angeklagte kein "Teufel" sondern vielmehr ein "Durchschnittsbürokrat" gewesen sei.

Vordenkerin für praktisch umsetzbare Menschenrechte

Ihr Eintreten für die "civil society" (deutsch: republikanische Bürgergesellschaft) habe nach dem Fall der Mauer 1989 an Aktualität gewonnen, sagte Marianne Zepp, Referentin der Heinrich-Böll-Stiftung. Arendt gelte auch in ihrer Kritik am Nationalstaat als Vordenkerin für praktisch umsetzbare Menschenrechte. "Nach Arendt sind Menschenrechte nicht identisch mit formalen Staatsbürgerrechten, aber sie müssen an konkrete, durchsetzbare Rechte gebunden sein", sagte Zepp. Der Kongress findet in der Bremer Landesvertretung statt. (APA/red)

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