Pressestimmen: "Nicht überreagieren"

6. Oktober 2006, 13:21
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"Times": Nur China kann in der Krise mit Nordkorea vermitteln - "Washington Post": China und Südkorea sind gefragt

Washington/Oslo/London/Madrid - Mit Nordkoreas Ankündigung, einen Atomwaffentest durchzuführen, beschäftigen sich internationale Tageszeitungen am Donnerstag:

"Washington Post"

"Nordkoreas Drohung mit einem Atomtest ist zuerst und vor allem eine Bedrohung für seine unmittelbaren Nachbarn China und Südkorea. Ein Aufstieg Pjöngjangs zur Atommacht würde eine ernste Gefahr für die beiden Länder bedeuten und vermutlich die Sicherheitslage in der Region auf ein Art verändern (...). So könnte Japan als Reaktion eigene Atomwaffen bauen. (...) Die USA wären auch bedroht, weil 30.000 US-Soldaten in Südkorea stationiert sind. Aber Nordkorea scheint noch weit von der Entwicklung einer Rakete entfernt, die die USA erreichen könnte: Der provokative Raketentest im Juli war wie der vorherige ein Fehlschlag. Daraus folgt, dass Südkorea und China allen voran die Bemühungen vorantreiben sollten, Nordkorea auf seinem Weg zu stoppen. Diese Länder haben mehr als die USA und Vereinten Nationen die Mittel, Druck auszuüben. Denn ohne deren Energie- und Nahrungsmittelhilfen verbunden mit einer Schließung der chinesischen Grenze für nordkoreanische Flüchtlinge würde die Kim-Diktatur vermutlich zusammenbrechen."

"The Times" (London):

"Die internationale Staatengemeinschaft solle auf die jüngste Provokation von Herrn Kim nicht überreagieren, meint die chinesische Regierung in Peking. Kim liebt das Theatralische, deshalb mag dies ein guter Rat sein. Gleichzeitig muss China den Nordkoreanern jedoch klar machen, dass es mit einem Atomtest auch die Beziehung zu Peking aufs Spiel setzt. Im Moment scheinen die Chinesen aber selbst nicht genau zu wissen, wie sie mit ihrem unverantwortlichen Nachbarn umgehen sollen. Dennoch kann nur China es schaffen, Nordkorea zum Einlenken zu überreden. Wenn Peking seine Verantwortung als regionale Macht übernimmt, kann das den Chinesen nur zugute kommen - und die Welt hat viel zu verlieren, wenn China das nicht tun."

"El País" (Madrid):

"Das stalinistische Regime in Nordkorea hat sich darauf spezialisiert, die Welt regelmäßig mit Nachrichten über seine militärischen Fähigkeiten zu überraschen. Das Beunruhigendste an der jüngsten Ankündigung eines Atomwaffentests ist, dass die Nordkoreaner anscheinend weiter sind, als man bisher angenommen hat. Die Experten gingen davon aus, dass Nordkorea genug spaltbares Material besitzt, um ein paar Atombomben zu bauen. Aber niemand hatte geglaubt, dass das Land auch in der Lagen sein würde, diese Bomben wirklich herzustellen. Der angekündigte Test bedeutet eine enorme Gefahr für die politische Stabilität allgemein und in Asien ganz besonders. Washington dürfte da wohl kaum untätig bleiben." (APA/dpa)

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