Tim Burtons "Batman"

5. Oktober 2006, 21:41
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Gegenwart, radikalisiert in Bildern einer phantasierten Zukunft

Der Satz, der alles aufklärt, fällt spät in diesem grandiosen, düsteren, opernhaften Actiondrama: "Haben Sie je im blassen Mondlicht mit dem Teufel getanzt?" Das sagt der nach einem Sturz ins Säurebad schwer versehrte, nun zum ständig grinsenden Clown mit dem Namen Joker umoperierte Verbrecher Jack Napier zu Batman, der in der ersten Wirklichkeit Bruce Wayne heißt. Batman Wayne erinnert sich. Diesen Satz hat er schon einmal gehört, als kleiner Junge, in der Nacht als seine Eltern bei einem Raubüberfall auf der Straße ermordet wurden. Er war dabei, hat alles mitangesehen. Bevor der Mörder ihn laufen ließ, sagte er zu dem Kind: "Hast du je im blassen Mondlicht mit dem Teufel getanzt?" Kein Zweifel, Jack Napier, der Joker, ist der Mörder von Waynes Eltern, der Mann, der Bruce Wayne zu Batman werden ließ, zum Kämpfer gegen das Verbrechen in Gotham City, der jetzt zum Rächer wird. Unbewusst ist er das schon immer gewesen. Das furiose Finale auf Leben und Tod, der Showdown kann beginnen.

Was Tim Burton da 1989 mit seinen Autoren und mit großartigen Schauspielern in die Kinos gebracht hat, das wurde zu dem bis dahin größten finanziellen Erfolg der Blockbuster-Industrie. Gotham, im Film "Synonym für das Verbrechen" genannt, setzte die Reihe der furchtbaren Metropolen fort, in denen Gegenwart in Bildern einer phantasierten Zukunft erscheint und radikalisiert wird. An Technik und Tricks wurde nicht gespart, und doch schafft es der Film immer wieder, anrührende, erregende, aufregende Emotionen zu produzieren. Das gelingt Tim Burton mithilfe von Michael Keaton in der Titelrolle, der unauffällig und nachdenklich Bruce Wayne, den superreichen Arztsohn, cool, schweigsam und unerbittlich den rächenden Batman gibt. Das gelingt mit Jack Nicholson, der als Jack Napier und Joker hier in seiner irrsten Rolle zu sehen ist, die er immer wieder in groteske Ballette verwandelt. Das glückt mit Kim Basinger als Fotoreporterin Vicki Vale, die sich, reizend und selbstbewusst, in Bruce Wayne verliebt. Nicht zu vergessen Jack Palance als Oberverbrecher Grissom, der früh von Joker abgeschossen wird.Batman, nach der Comic-Figur von Bob Kane konzipiert, ist ein Film voller optischer und schauspielerischer Manierismen. Merkwürdigerweise wird gerade durch sie die erfantasierte Verbrecherstadt Gotham City glaubwürdig. Es ist wie im grausamen Märchen, das uns von der Realität entfernt, um uns Wahrheiten ganz in unserer Nähe spüren zu lassen. Ein bisschen Gotham City ist überall. Aber kein bisschen Batman, leider. (Klaus Podak / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2006)

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