Musikrundschau: Freundliches Songwriting

5. Oktober 2006, 19:22
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Neue Alben von The Whitest Boy Alive, The Secret Society und The Lemonheads

THE WHITEST BOY ALIVE
Dreams
(Bubbles/Soul Seduction)
Mit seinem legendären und zur Zeit stillgelegten Akustikprojekt Kings Of Convenience und dem stilprägenden Album Quiet Is The New Loud brachte der norwegische Sänger Erlend Oye vor einigen Jahren die Sanftmut von Simon & Garfunkel wieder zurück in die musikalischeTrendwelt. Er entdeckte im Anschluss nach seinem Umzug nach Berlin die elektronische Tanzmusik und wurde als singender DJ und begnadeter Entertainer berühmt. Auch seine neue Band wurde 2003 ursprünglich als elektronische Sause unter Songwriting-Vorzeichen gegründet. Dieses jetzt vorliegende Debüt präsentiert allerdings eine klassische Band, die sich mit effektfreier, minimal eingesetzter E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und E-Piano auf dem schmalen Grat zwischen Club und Studencafé bewegt und als Soundtrack ideal in jede Sitzdisco passt. Herzig und rührend, wunderbar!

THE SECRET SOCIETY
Sad Boys Dance When No One's Watching
(Nois1059/www.acuareladiscos.com)
Schon der Albumtitel des spanischen Songwriters Pepo Márquez ist nicht ohne. Und bei den ersten gehörten Zeilen dieses an patscherte US-Americana wie die Songs von Calexico erinnernden Albums liegen wir flach: "I eat this slice of pizza, I bought four days ago. Thinking that too much ,I love you' means that something's wrong." Akustikgitarre, Bass, Schlagzeug, Melodica, zurückgenommener Sprechgesang, schaumgebremstes Tempo. Mehr braucht es nicht. Heute, Freitag, 5. Oktober, ist der junge Mann erstmals in Österreich live zu erleben. Im Wiener Gasthaus Vorstadt in Ottakring.

THE LEMONHEADS
The Lemonheads
(Vagrant/Universal)
Evan Dando und seine Lemonheads zählen 2006 ab sofort dank dieses fulminanten Comebacks völlig unerwartet zu den großen Überlebenden der Grunge-Ära. Beim Mann, der 1992 mit dem Album It's A Shame About Ray eines der zentralen und bis heute gültigen Statements dieser Zeit veröffentlichte waren bis zu seiner durchwachsenen Solo-CD Baby I'm Bored aus 2003 immerhin mehr Drogen im Spiel, als Pete Doherty jemals vertragen könnte. Die elf neuen Lieder jedoch, entstanden unter der Mithilfe der großen US-Posthardcore-Band The Descendents und mit Dinosaur Jr.-Gitarrist J. Mascis, präsentieren endlich wieder die alten Qualitäten dieses heute 39-jährigen Songwriters. Melodisch und arrangementmäßig locker aus dem Ärmel geschüttelte Gitarrenpop-Songs, die die alten Pole Großbritannien und USA souverän zusammenführen und dank Dandos freundlicher Sprechgesangsstimme heute so einnehmend und freundlich wie in alten Tagen klingen. Am 6. November ist diese große, beinahe vergessene Band endlich auch wieder live in Österreich zu erleben, im Wiener Flex. Nichts weniger als ein Pflichttermin! (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.10.2006)

  • "Dreams"
    foto: bubbles/soul seduction

    "Dreams"

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