Sauer macht schön

2. Jänner 2007, 13:42
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In chemischen Peelings wirken Säuren. Das klingt beängstigend, tut der Haut aber gut, weil die Chemie Zellerneuerung stimuliert

Alles, was neu ist, ist schön. Das gilt für Kleider, Möbel oder Autos, genauso wie für die menschliche Haut. Auf organischer Ebene ist alles, was neu ist, zusätzlich auch noch ganz besonders zart. Jeder kann sich am eigenen Leib am Beispiel der Wundheilung davon überzeugen: Die Haut, die sich nach Verletzung bildet, ist immer fein und rosig und nimmt erst mit der Zeit wieder eine gröbere Struktur an.

Im Streben um Schönheit geht es aber genau um die Vermeidung alles Groben. Säuren sind dafür ein probates Mittel der Wahl. Warum? Chemische Peelings fügen der Haut so etwas wie eine flache, gleichmäßige Verletzung zu. Sobald der Körper diese registriert, startet er sein Wundheilprogramm und produziert auf Befehl neue Hautzellen, die die verletzte Oberfläche wieder heil machen sollen. Das klingt radikal, und deshalb dürfen auch nur Hautärzte mit Säuren in hohen Konzentrationen hantieren. Denn die Kunst am Procedere besteht darin, die richtige Dosis an den richtigen Gesichtspartien über eine bestimmte Zeitspannen hinweg anzuwenden. Als Patient sollte man während des Peelings nämlich lediglich ein leichtes Kribbeln spüren.

"Nur Laien glauben, dass die Haut eine stabile Schicht ist, die man wie eine Tischplatte abschmirgeln kann, damit sie wieder glatt ist. In Wirklichkeit ist schöne Haut wie ein Golfrasen, den man immer wieder stutzen muss, damit er auch gut nachwächst", erklärt der Hautarzt und Peeling-Spezialist Michael Palatin das Prinzip, und der Wiener Dermatologe Markus Dawid präzisiert: "Das Schöne daran ist, dass Säuren Impulse von der Hautoberfläche in tiefere Schichten weitergeben und damit einen wirklichen Regenerationsprozess auslösen." Jeder der beiden hat für die in der Fachsprache richtig als Dermatoexfoliation bezeichnete Schönheitsbehandlung seine ganz eigenen Zeitpläne, Konzentrationen und Rezepturen bei der Hand.

Alpha-Hydroxy-Acid

Denn Fruchtsäuren gibt es theoretisch viele. Es sind all jene organischen Säuren, die zwar unterschiedlich große Moleküle, aber eine gemeinsame Struktur aufweisen. Ihre englische Bezeichnung ist Alpha-Hydroxy-Acid, kurz AHA, und ihre Wirkung liest sich wie ein veritables Schönheitselixier: Fruchtsäuren glätten Fältchen, wirken antibakteriell und bekämpfen deshalb Hautunreinheiten, schwächen Pigmentflecken ab, verkleinern Poren, vermindern die Talgproduktion und bringen die Haut wieder dazu, richtig schön viel Feuchtigkeit aufnehmen zu können.

Die Wirkung ist dermatologisch verbrieft und deshalb natürlich auch in der Kosmetikindustrie hochwillkommen. "Fruchtsäure im Tiegel darf aus Gründen der Konsumentensicherheit niemals wirklich hoch konzentriert sein, zudem sind die darin enthaltenen Fruchtsäuren so abgepuffert, dass sie nicht zu tief in die Haut eindringen können", erklärt Dawid. Von Fruchtsäure als Peelingsubstanz hält sein Kollege Palatin übrigens wenig: "Die Haut ist danach zu offen und deshalb oft irritiert", sagt er und erklärt die Vorzüge von Trichloridessigsäure, mit der sich Gesichtspartien viel besser - wie er sagt - designen ließen.

Doch Kosmetikprodukte auf Salicyl-, Glycol- und Fruchtsäuren tun ihre Wirkung. Vor allem: Sie sind um vieles kostengünstiger als die Behandlung beim Dermatologen. Nur wer fadenscheinigen Versprechungen wie "faltenfrei in 14 Tagen" Glauben schenkt, wird enttäuscht sein. Dass einige der AHA-Präparate stets mit Sorgfalt und niemals zu oft anzuwenden sind, steht in den Verpackungsbeilagen.

Gibt es denn einen Gewöhnungseffekt oder den Tag, an dem auch Fruchtsäuren nicht mehr gegen die Hautalterung wirken? Nein, sagen die Ärzte einhellig. "Eine Gewöhnung der Haut an die Behandlung ist so wünschenswert wie Sport für den ganzen Körper", präzisiert Palatin, denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass chemische Peelings Kollagene und elastische Fasern in der Unterhaut stimulieren und interzelluläre Substanz aufbauen helfen.

Ein Zuviel an Fruchtsäure gibt es auch für Dawid nicht. "Im Sommer ist im- mer eine natürliche Pause, denn nach Peelings sollte man sich nicht den Sonnenstrahlen aussetzen, aber jetzt geht das Zellerneuerungsprogramm wieder los". (Karin Pollack/Der Standard/Rondo/06/10/2006)

Sieben Mal junge, feine Haut

  • Chemische Struktur, die Falten glättet: Das Säure-Molekül
    foto: der standard

    Chemische Struktur, die Falten glättet: Das Säure-Molekül

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