Geriatriezentrum in Liesing: Streit um den geplanten Neubau

11. Oktober 2006, 09:13
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Die Alten und die Angst vor dem Neuen - Opposition fordert die komplette Schließung der Lainzer Geriatrie

Wien – Die historischen Großeinrichtungen wie das Lainzer Geriatriezentrum Am Wienerwald sollen möglichst reduziert – und dafür zeitgemäße kleinere Einrichtungen geschaffen werden. So das grundsätzlich akzeptierte Konzept.

Doch nicht nur, dass auf der einen Seite von der Opposition die komplette Schließung der Lainzer Geriatrie gefordert wird – es formiert sich nun auch in Liesing massiver Widerstand gegen einen geplanten Geriatrie-Neubau.

Flächenwidmung

Vorgesehen ist, an der Nordseite des derzeitigen Parks an der Perchtoldsdorfer Straße einen Neubau für 330 Pflegeplätze zu errichten – und im Gegenzug am südlichen Ende das derzeitige Pflegeheim abzureissen und als Park neu zu gestalten. Der Plan soll am Donnerstag, im Wiener Gemeinderat als Flächenwidmung beschlossen werden.

Bürgerinitiative "Rettet den Schlosspark"

Am Mittwoch protestierte die Bürgerinitiative "Rettet den Liesinger Schlosspark" gegen das "Geriatrieghetto" mit "385 Betten", da werde "die letzte Grünlunge im Liesinger Zentrum zerstört" und das historische Liesinger Schloss würde "im Schatten der Altenkaserne zur Karikatur verkommen", so der ORF-Redakteur Martin Traxl als "Privatmann und engagierter Bürger".

Gabriele Traun-Vogt, Klinische Psychologin am AKH, forderte einen Neubau am derzeitigen Pflegeheimstandort mit maximal 80 Betten – und dafür drei_weitere kleinere Einheiten innerhalb des Gürtels. Auch die Grüne Gemeinderätin Sigrid Pilz ist "nicht von vorn herein gegen Neubauten – aber sehr wohl gegen die schiere Dimension und gegen die Parkzerstörung".

"Diskriminierung"

"Begriffe, wie Altenkaserne sind eine schwere Diskriminierung und Abkanzelung der Menschen, die in solchen Einrichtungen arbeiten und leben", reagiert Stadträtin Renate Brauner (SP) im Standard-Gespräch. Der Neubau in Liesing werde schließlich als moderne, offene Einrichtung geplant, etwa mit einem Tageszentrum, das auch für Menschen der Umgebung offen stehen soll. Und im historischen Schlössel sollen nicht, wie von der Bürgerinitiative befürchtet, Luxuswohnungen eingerichtet werden – sondern soll die Musikschule Liesing einziehen. Auch werde der Park nicht zerstört – sondern neu gestaltet und für die Bevölkerung geöffnet.

"Ein Haus mit 330 Plätzen ist nicht riesig", hält dem auch der Liesinger Bezirksvorsteher Manfred Wurm (SP) entgegen. "Die Bewohner werden das Gefühl haben, in einem kleineren Gebäude zu sein, weil es in drei Höfe unterteilt ist." Mit Begriffen wie "Geriatrieghetto" oder "Altenkaserne" kann Wurm nichts anfangen: "Es ist eine Frage der Ausstattung und des Services. Die Hotels Hilton, Marriott oder Intercontinental in Wien haben jeweils mehr als 500 Betten und die Gästen fühlen sich trotzdem wohl" – und die werden auch nicht "Touristenkasernen" genannt.

Entscheidend sei das Service und die medizinische_Vollversorgung, die in dieser Einrichtung gewährleistet werden könne. Wurm zur befürchteten_Verkehrsbelastung:: Es werde eine Garage gebaut – aber nur für Mitarbeiter. "Dafür wird die gesamte Grünfläche im Park künftig autofrei und für alle zugänglich." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 5.10.2006)

  • Die Mitglieder der Bürgerinitiative protestieren gegen die Zerstörung der "letzten Grünlunge im Liesinger Zentrum"
    foto: bürgerinitiative "rettet den liesinger schlosspark"

    Die Mitglieder der Bürgerinitiative protestieren gegen die Zerstörung der "letzten Grünlunge im Liesinger Zentrum"

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