Das Spiel der steten Bühnengegenwart

4. Oktober 2006, 20:01
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Johannes Mailes Theaterprogramm in der Erneuerungstradition des WUK

Dieser Tage wird im WUK die hauseigene Tradition des Flüchtigen gefeiert, und damit auch die Gegenwärtigkeit der darstellenden Kunst, die, weil dort so unverfälscht ausgeformt, eben manchmal schmerzlich unbeachtet bleibt. Es jubiliert eine Geburts- und Brutstätte von Theaterkonzepten und Darstellungsideen, die im WUK ihre Möglichkeiten ausloteten, um sich gegebenenfalls andernorts zu institutionalisieren. Der Dschungel Wien wurzelt tief im Dunstkreis des offenen (Kinder-)Kultur- und Werkstättenhauses. Andererseits sind viel beachtete Kompanien wie das "Carpa Theater", bekannt für ihre nachdenklich-heiteren Improvisationen, dem Haus treu geblieben. Das Ideen- und Versuchsfeuerwerk für Bühnenimpulse zündet in der "tanztheaterperformance" (ttp WUK) im autonomen Vereinsbereich. Mit "im_flieger" verfügt das Konglomerat aus 25 Gruppen seit 2002 über eigene Probe- und Vorführräume.

Davon abgekoppelt gibt es die betriebliche Sparte WUK Tanz und Theater, die mit Johannes Maile (30) soeben eine neue Programmleitung bekommen hat. Erst im September erwählt, ist Maile derzeit noch beschäftigt im WUK-Netzwerk, um darüber hinaus Ressourcen zu entdecken, die in seiner Programmierung ab Mai 2007 längerfristige Kooperationen eingehen wollen. Ziel ist es, der Fluktuation von Gruppen und Ideen eine nachhaltige Programmidentität durch zehn Produktionen pro Jahr beizustellen. Dass dabei mit Mut programmiert werden sollte, scheint für Maile klar: "Wenn schon zu Beginn jegliches Risiko ausgeklammert wird, dann stimmt was nicht. Nur mit der Möglichkeit des Scheiterns kann auch etwas Neues entstehen."

Für experimentierfreudige Programmierung und den weiteren Ausbau nationaler und internationaler Partnerschaften nimmt er die richtigen Voraussetzungen mit: "Mercury Fur", das neue Stück seiner eigenen Company "theonlysupernova" wird als Koproduktion von internationalen Theaterstätten ab April 2007 über die WUK-Bühne gehen. Für Maile, eine "ambivalente Situation," die zwangsläufig seine künstlerische Leitung prägen wird: Die Sicht eines Veranstalters trifft auf ein tief greifendes Produzentenverständnis. Jedenfalls verspricht Maile ein Gleichgewicht zwischen Tanz- und Sprechtheater, und meint damit, die von Vorgängerin Ainhoa Achutegui aufgebaute Qualität bei Performance und Tanz zu halten und die anderen Theaterformen anzugleichen. Anders als bei ihrer explizit emanzipatorisch ausgerichteten Konzeption findet Maile: "Egal ob Mann oder Frau, Hauptsache es ist gut!" Bis Mitte 2007 folgt das Theaterprogramm noch Achutegui, die zum "Centre des arts pluriels" in Luxemburg gewechselt hat.

In diesem Jahr bringt das WUK nach den "Dramatikerinnen" ab 2. 12. erstmalig das STUHTE Studententheater mit Shakespeares "Titus Andronicus" ins Haus. (Georg Petermichl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2006)

  • Das Ensemble für Städtebewohner mit "Kill Mary!" 2005 im WUK.
    foto: wuk

    Das Ensemble für Städtebewohner mit "Kill Mary!" 2005 im WUK.

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