Geheimkonto der Stadt Knittelfeld: Plötzlich Millionenschulden

9. Oktober 2006, 09:42
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Kritik und Rätselraten um ominöses Konto, dass immerhin mit knapp 3,6 Millionen Euro belastet ist

Knittelfeld - Die Aufregung um ein in der obersteirischen Stadt Knittelfeld nach 13 Jahren aufgetauchtes Geheimkonto, über das Geschäfte der Gemeinde abgewickelt wurden, geht weiter. Nachdem SPÖ-Bürgermeister Siegfried Schafarik am Montag den Gemeinderat von dem Zweitkonto bei der örtlichen Sparkasse, unterrichtete und auch bei einer Pressekonferenz erklärte, dass nur der Finanzdirektor Zugriff hatte, ohne dass der ehemalige Bürgermeister Fritz Kaufmann oder Schafarik selbst von dem Konto gewusst hätten, hagelt es nun Kritik von ÖVP und KPÖ.

Denn Schafarik hatte schon am 17. März von der Existenz des ominösen Kontos, dass immerhin mit knapp 3,6 Millionen Euro belastet ist, gewusst.

Die Knittelfelder KPÖ-Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete, Renate Pacher, wirft Schafarik nun vor, die Information absichtlich so lange zurückgehalten zu haben: "Offensichtlich war ein gutes Wahlergebnis wichtiger als die Wahrung der Informationspflicht".

"Nur weil es ein Konto gibt, herrscht immer noch Unschuldsvermutung", kontert Schafarik im Gespräch mit dem Standard. Er habe erst einmal Zeit gebraucht, "um die Situation in den Griff zu bekommen". In dieser Zeit habe sich der Bürgermeister mit dem Gemeindebund beraten und die gesamte Buchhaltung durchforsten lassen, denn der Finanzdirektor selbst, konnte ihm nicht alle Fragen beantworten: "Er ist leider schwer krank."

3,6 Millionen Schulden

Während Pacher nun dem SP-Bürgermeister vorwirft, dass "die Gemeinde - und damit die Bevölkerung von Knittelfeld - plötzlich 3,6 Millionen Schulden hat", bestreitet das Schafarik energisch. "Es ist kein Bürger zu Schaden gekommen, und es gibt nach derzeitigem Stand der Ermittlungen auch - durch die Staatsanwaltschaft - keinen Hinweis auf Bereicherung oder irgendeine kriminelle Handlung".

Für Schafarik selbst sei es "die größte Enttäuschung meines politischen Lebens", denn der Finanzdirektor sei immer ein loyaler Beamter gewesen. Warum er das Konto geheim hielt, sei völlig unerklärlich: "Wie stehen vor einer Wand." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 5.10.2006)

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