ÖVP-Stimmen gegen Große Koalition mehren sich

6. Oktober 2006, 20:36
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Derzeit nur Wirtschaftsvertreter offen für Zusammenarbeit mit SPÖ, Prokop und JVP dagegen

Wien - In der ÖVP mehren sich die Stimmen gegen eine Große Koalition. Offen für eine Zusammenarbeit mit der SPÖ haben sich bis jetzt im Wesentlichen nur die Wirtschaftsvertreter der Volkspartei ausgesprochen. Die APA bringt im Folgenden eine Zusammenfassung der wesentlichen Koalitionsaussagen aus der ÖVP:

"Ich treffe in der ÖVP niemanden, der für eine Koalition mit der Gusenbauer-SPÖ ist." - Für ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon Amon geht die Stimmung in der ÖVP "eindeutig in Richtung Opposition", er lehnt auch eine Dreier-Koalition mit BZÖ und FPÖ ab.

Grillitsch dagegen

"Ich wünsche mir keine Koalition mit einer SPÖ, die alles verspricht und nichts hält." - Auch Bauernbund-Präsident Grillitsch Fritz Grillitsch ist gegen eine Große Koalition und auch gegen eine Koalition mit FPÖ und BZÖ, auch er sieht als Alternative für die ÖVP die Opposition.

"Der Wunsch der Basis ist es jedenfalls, in Opposition zu gehen." - Auch im steirischen Landesparteivorstand ist nach Auskunft von Obmann Hermann Schützenhöfer die Stimmung klar gegen eine Große Koalition.

Bartenstein: "Keine Regierung ohne Wenn und Aber"

"Die SPÖ wird sich überlegen müssen, was sie will." - Wirtschaftsminister Martin Bartenstein äußert sich skeptisch zu einer Großen Koalition und macht die SPÖ darauf aufmerksam, dass sie nicht einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Eurofightern einsetzen und gleichzeitig mit der ÖVP verhandeln könne. Eine Koalition mit BZÖ und FPÖ schließt Bartenstein nicht aus.

Es werde "keine Regierung ohne Wenn und Aber geben", lässt auch Klubobmann Wilhelm Molterer Distanz zu einer Zusammenarbeit mit der SPÖ erkennen und er hat den "Eindruck, es gibt in der SPÖ Kräfte, die gar keine Große Koalition wollen".

Sie sei zwar grundsätzlich immer für eine Große Koalition gewesen, jetzt höre sie aber seitens der SPÖ Forderungen und Äußerungen, die sie absolut nicht vertreten könne. Selbst die als Großkoalitionärin bekannte Innenministerin Liese Prokop hat schon ernste Zweifel.

Wirtschaft dafür

"Das sind wir dem Land schuldig." - Wirtschaftsbund- und Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl plädiert als einer der wenigen für eine Große Koalition und hat auch eine Begründung parat: "Die Menschen erwarten auch Lösungen für die großen anstehenden Probleme."

"Momentan keine Alternative" zur Großen Koalition sieht auch der stellvertretende Wirtschaftskammer-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner.

"Mit Gusenbauer kann man etwas zustande bringen." - Für den früheren Zweiten Nationalratspräsidenten Heinrich Neisser gibt es ebenfalls keine Alternative zur Koalition mit der SPÖ.

"Das ist sicher eine der Überlegungen, die jetzt angestellt werden sollen, aber auch hierfür ist die Zeit noch zu früh." - Der frühere Parteichef und Vizekanzler Erhard Busek sieht einen möglichen Ausweg darin, die Große Koalition mit den Grünen zu erweitern. (APA)

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    Rot-Schwarz spaltet die ÖVP

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