Grassers Abschiedsgeschenk

9. Oktober 2006, 23:12
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Sumper neuer Geschäftsführer in Bundesfinanzierungsagentur

Wien - Der "parteiunabhängige" Finanzminister Karl-Heinz Grasser bastelt weiter an seinem Abgang aus der Politik, wie wohl "seine" Partei, die ÖVP, will, dass er noch an den Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten teilnimmt.

Über die Zukunft des Ressortchefs war am Dienstag aus dem Finanzministerium keinerlei offizielle Information zu erhalten. Es gilt weiter die Sprachregelung, wonach Grasser Minister sei und vorerst bleibe. Das an der Gerüchtebörse zu hohen Kursen gehandelte Engagement von Grasser beim Energydrink-Hersteller Red Bull wird am Firmensitz in Fuschl belächelt. Konzernboss Dietrich Mateschitz soll dem Vernehmen nach am Dienstag seinen Mitarbeitern erklärt haben, dass es nie ein Angebot für Grasser seitens Red Bull gegeben habe - ergo, der Minister auch definitv nicht zu Red Bull wechsle.

Jobrochaden

Unterdessen hat der Finanzminister noch rasch eine seiner wohl letzten Postenbesetzungen durchgezogen. Erst am Montag dieser Woche wurde Kurt Sumper zum Kogeschäftsführer in der dem Finanzressort unterstellten Bundesfinanzierungsagentur bestellt. Sumper arbeitet dort - nach dem Wechsel von Geschäftsführer Paul Kocher in den Vorstand der krisengeschüttelten Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank - Seite an Seite mit dem langjährigen Geschäftsführer Helmut Eder.

Zuvor war Sumper in der ebenfalls staatseigenen Bundesimmobiliengesellschaft als Leiter des Treasury eine Ebene unter der Geschäftsführung für Finanzierungsfragen zuständig. Nicht unwichtig: Der Kärntner Kurt Sumper ist ein Cousin der ehemaligen Lebensgefährtin von Karl-Heinz Grasser, Beate Sumper.

Nach dem Wahlsieg der SPÖ gilt als ausgemacht, dass die SPÖ auch Anspruch auf den Finanzminister erhebt. Vorgesehen für den Posten ist Finanzsprecher Christoph Matznetter, der in den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP die Vorstellungen beider Parteien auf ihre Finanzierbarkeit hin abklopfen soll.

Matznetter selbst bestreitet, Fixstarter in einem Regierungsteam von Parteichef Alfred Gusenbauer zu sein. Aus seinem Umfeld heißt es, als Finanzminister kämen auch andere Experten infrage. Zuletzt wurde Bawag-Chef Ewald Nowotny, der langjährige frühere Finanzsprecher der SPÖ, ins Spiel gebracht. Die Noch-Gewerkschaftsbank steht jedoch mitten im Verkaufsprozess.

Zu Grassers künftigem Arbeitsplatz gibt es diverse Gerüchte zu potenziellen Engagements im In- und Ausland. Sie reichen von VW, der Meinl Bank, über die Nationalbank bis zu den US-Investmenthäusern Morgan Stanley und Leman Brothers. (miba, szem/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2006)

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