Vorarlbergerinnen verdienen am wenigsten

25. Oktober 2006, 17:01
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Ein Netto-Einkommen von über 2100 Euro haben lediglich fünf Prozent der Frauen, aber 27 Prozent der Männer

Bregenz - Eine neue Studie der Arbeiterkammer bestätigt: Vorarlberger Frauen verdienen eklatant weniger als Männer. Beim Nettostundensatz beträgt der Einkommensunterschied 35 Prozent. Vergleicht man das Einkommen vollzeitbeschäftigter Frauen und Männer, erhöht sich die Differenz auf 64 Prozent. Studienverfasserin Christina Matzka von OGM: "In Vorarlberg ist der ,Gender Pay Gap' höher als im Rest Österreichs und den Vergleichsländern Deutschland und Schweiz, Schweden und Norwegen." Zum Vergleich: Der jährliche, arbeitszeitbereinigte Bruttojahresverdienst von Männern ist in Österreich 41 Prozent höher, in Deutschland 36 Prozent, in der Schweiz 26 Prozent. Vorarlberg: 52 Prozent.

40 Prozent der Frauen und elf Prozent der Männer, die 38 Stunden und mehr arbeiten, verdienen in Vorarlberg zwischen 334 und 1199 Euro netto pro Monat. Ein Netto-Einkommen von über 2100 Euro haben lediglich fünf Prozent der Frauen, aber 27 Prozent der Männer. Gravierend sind auch die Unterschiede bei Gehaltszulagen. Während 37 Prozent der Männer mit Zulagen rechnen können, sind es nur 23 Prozent der Frauen. Bei der Höhe der Zulagen klafft die Schere weit auseinander: Frauen bekommen durchschnittlich 1915 Euro, Männer 3190 Euro. Matzka nennt die Gründe für die Einkommensunterschiede: "Geschlechtsspezifische Rollenbilder, Arbeitsvolumen und Berufsorientierung der Frauen." 41 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit, 61 Prozent der befragten Frauen war 1,9-mal in Karenz. Ein Viertel der Frauen hatte Probleme beim Wiedereinstieg. "Ausstieg bedeutet Abstieg", ist eine der Folgerungen der AK.

AK-Präsident Hubert Hämmerle fordert flexibleres Kinderbetreuungsgeld: "Frauen, die kürzer in Karenz gehen, sollten dennoch das ganze Betreuungsgeld bekommen." Kürzere Karenz nennt auch Matzka als Erfolgskriterien. Dafür müsste sich aber, da sind sich Matzka und Hämmerle einig, das Kinderbetreuungsangebot ändern. 56 Prozent der Kindergärten schließen am Mittag. (jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2006)

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