"Bruno" bleibt auch tot Problembär

8. Oktober 2006, 20:21
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Der Skandalbär liegt auf "Eis" - Was mit ihm geschehen soll, weiß die bayerische Behörde nicht so genau

Was ein echter Problembär ist, macht auch über seinen Tod hinaus Schwierigkeiten: "Bruno", der wegen Gefährlichkeit im Juni in Bayern erlegte Bär aus Italien, liegt immer noch auf Eis. Die Bayern wollen ihn ausstopfen, die Italiener denken an weitere Untersuchungen.

München/Schliersee – Was soll nur mit "Bruno" geschehen: Schon zu Lebzeiten bereitete der Braunbär aus dem italienischen Trentino den bayerischen Behörden Kopfzerbrechen. Mit dem toten Tier haben sie es nicht viel leichter.

Keine Ausstellung und keine Präparation

Ein Vierteljahr nach seinem Abschuss liegen Fell und Tierkörper noch immer bei minus 20 Grad in einer Kühlkammer auf Eis. Dabei könnte Bruno schon ausgestopft im Museum stehen. Skelett und Organe sollten der Wissenschaft als Lehrobjekte überlassen werden. "Die Italiener wollen prüfen, ob sie weiter Untersuchungsbedarf an dem Tier haben", erläutert Andrea Kinateder, Sprecherin des bayerischen Umweltministeriums, den Verzug. "Bis auf Weiteres gibt es deshalb keine Ausstellung und keine Präparation."

Italiener forderten Auslieferung

Die Italiener hatten empört auf den Abschuss reagiert. Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio verlangte die "Auslieferung" des toten Tieres. Die Bayern lehnte ab, den Bären mit offiziellem Namen "JJ1" (Erstgeborener von Vater "Jose" und Mutter "Jurka") herzugeben. "Er ist Eigentum des Freistaates", betonte Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) im Juli. Seitdem hat sich nichts getan.

Keine Eile

"Ich habe keine weitere Weisung", sagt Hans-Georg Liebich, Vorstand des Instituts für Tieranatomie der Ludwig-Maximilians-Universität. Ihm waren Fell und Tierkörper seinerzeit überstellt worden. Das Fell sei eingesalzen worden, andernfalls könnten die Haare ausfallen. Mehr sei nicht geschehen. Eile sei nicht geboten. Denn gefroren kann Bruno noch sehr lange aufbewahrt werden. Weder Fell noch Skelett nehmen Schaden. "Ötzi hat 5000 Jahre im Eis gelegen", sagt der Wissenschafter.

Spekuliert wird, dass "Bruno" noch eine ganze Weile kaltgestellt bleibt. Denn die Wogen haben sich noch nicht geglättet. Der Bär soll keine diplomatischen Verwicklungen auslösen. Die Italiener hatten zwar keine alternative Verwendung angeboten, sich aber dagegen verwahrt, dass "Bruno" im Museum zur Touristenattraktion wird.

Sympathieträger

Vor drei Monaten war der junge Bär im Rotwandgebiet nach wochenlang erfolglosen Fangversuchen erlegt worden. "Bruno" hatte mit seiner Dreistigkeit immer wieder Sympathien auf sich gezogen. Seelenruhig rastete der auf Solidaritäts-T-Shirts auch "JJ Guevara" genannte Bär unter den Augen von Lokalgästen vor einer Polizeiwache – um sich aus dem Staub zu machen, bevor die für viel Geld aus Finnland eingeflogenen Bärenjäger mit ihren Hunden nahten. Während die Verantwortlichen Expertenrunden einberiefen, marschierte "Bruno" durch alpine Ferienorte, erschreckte Urlauber, verspeiste Schafe und Hühner, knackte Bienenstöcke und stahl kiloweise Honig.

Die Behörden fürchteten ein gefährliches Zusammentreffen mit Menschen und beschlossen den Abschuss. Die darauf folgende Welle der Empörung gipfelte in Morddrohungen gegen die Schützen, Schnappauf und Ministeriumsmitarbeiter.

"Bärengedenktag"P> Inzwischen hat die Stiftung für Bären in Thüringen den Todestag Brunos, den 26. Juni, zum "Bärengedenktag" ausgerufen. Als Fortschritt sehen Experten, dass in Bayern nun zusammen mit Italien, Österreich und der Schweiz mit Hochdruck an einem Konzept zum Bärenmanagement gearbeitet wird. Der nächste Bär könnte im Frühjahr wieder _auf den Freistaat zuwandern. Dann suchen männliche Jungbären ein eigenes Revier. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 5.10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die bayrischen Grünen setzten Zeichen für die Bärenfreundlichkeit im Land, in dem "Bruno" erlegt wurde

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