Super-Airbus ist um sechs Milliarden teurer

19. Oktober 2006, 19:21
21 Postings

Airbus muss die Auslieferung des A380 um bis zu einem Jahr verschieben. Singapore Airlines erhält erste Entschädigungszahlung

Paris - Die Fluggesellschaften verhehlen ihren Ärger nicht mehr, nachdem sich die Produktionsverzögerungen des A380 um ein weiteres Jahr verdoppelt haben. Qantas ist "enttäuscht", Virgin Atlantic befürchtet "ernste Folgen", Emirates hält sich "alle Optionen" offen. Der Erstkunde Singapore Airlines erhielt am Mittwoch eine erste Entschädigung in unbekannter Höhe zugesprochen, weil man erst Ende 2007 einen Riesen-Airbus erhalten wird. Auch 2008 dürften bloß weniger der geplanten 35 Doppeldecker-Flugzeuge ausrollen. Die normale Jahresproduktion von 45 Maschinen soll frühestens 2010 erreicht sein.

Lufthansa erhält 2008 auch nur vier der bestellten 15 Super-Jumbos. Die deutsche Fluggesellschaft hat allerdings Vorsorge getroffen und im September mehrere A330 geordert. Airbus muss für Schadenersatzzahlungen sowie für die Erhöhung der Produktionskosten bis 2010 noch einmal 2,8 Mrd. Euro bereitstellen. Zusammen mit bereits bekannten Kostenerhöhungen von zwei Milliarden und zusätzlichen Kreditkosten von 1,5 Milliarden wird der Super-Airbus 6,3 Mrd. Euro teurer zu stehen kommen als geplant.

Airbus wird deswegen nicht in die roten Zahlen geraten. Airbus kann durch andere Geschäftsbereiche des EADS-Mutterkonzerns – Hubschrauber, Kampfjets, Satelliten oder Raketen – unterstützt werden. Der neue Airbus-Chef Christian Streiff rechnet damit, dass der A380 schon ab 2010 Gewinne einfahren wird.

Trotzdem wird ein drastisches Sparprogramm verordnet, die Fixkosten sollen um 30 Prozent gedrückt werden. Auch ein Abbau der derzeit 57.000 Stellen ist möglich. (Stefan Brändle, Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der A380 kann wegen gewichtiger Probleme nicht abheben.

Share if you care.