Bestechung nimmt weltweit stark zu

20. Oktober 2006, 15:23
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Österreichische Unternehmen zahlen aber kaum Schmiergelder

Brüssel - Bestechungen im Unternehmensbereich nehmen stark zu und werden für weniger entwickelte Staaten in Afrika sehr bedrohlich. Verantwortlich dafür sind die "neuen Exportriesen" Indien, China und auch Russland. Das ist das Ergebnis der neuesten Untersuchung des Forums Transparency International, einer Partnervereinigung des World Economic Forum (WEF).

Befragt wurden 11.232 Manager in 125 Ländern über die Geschäftspraktiken von Unternehmen aus den 30 führenden Exportnationen. Demnach neigen Schweizer Konzerne am wenigsten zu Schmiergeldzahlungen, gefolgt von schwedischen, australischen und österreichischen Unternehmen. Sehr "zahlbereit" im Ausland zeigen sich asiatische Firmen. Während bei ihnen daheim Bestechung oft sehr hoch bestraft wird – in China ist auch die Todesstrafe möglich –, werden im Ausland sehr gerne Geldkuverts gezückt.

China als viertgrößter Exporteur der Welt ist vor allem in Südamerika und Afrika aktiv, und Indien steht dem kaum nach. Doch auch Europa hat hier eine traurige Spitzenstellung: Allein aufgrund der Befragungen von Unternehmen in Afrika fallen Italien und Frankreich unter die bestechungsfreudigsten Länder.

Die Bestechungen hätten in den armen Staaten auch gravierende volkswirtschaftliche Folgen, sagte die Vorsitzende von Transparency International, Huguette Labelle. Die Schäden durch die Auswahl teurerer Lieferanten und weniger geeigneter "Geschäftspartner" wären enorm. Aber auch in der EU hätten die Konsumenten die Kosten zu tragen: "Kleine Aufmerksamkeiten, damit Produkte im Supermarkt besser platziert werden." (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2006)

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    grafik: iwf/standard
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