Irischer Premier wegen Spendenaffäre unter Druck

6. Oktober 2006, 15:32
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Ehemaliger Finanzminister kann nicht erklären, wie er 60.000 Euro ohne Bankkonto angespart hat

Dublin - Der Druck auf den irischen Ministerpräsidenten Bertie Ahern wegen einer Spendenaffäre verstärkt sich. Trotz intensiven Drängens der Opposition gab Ahern am Mittwoch vor dem Parlament keine Erklärung dafür ab, wie er gut 60.000 Euro zurücklegen konnte, ohne dieses Geld über ein Bankkonto laufen zu lassen. Dies sei umso erstaunlicher, als Ahern seinerzeit Finanzminister gewesen sei, betonte Enda Kenny, Parteiführer der oppositionellen Fine Gael.

Zuwendungen von Geschäftsleuten

Ahern hat zugegeben, in den Jahren 1993 und 1994 mehrere Zuwendungen von irischen Geschäftsleuten erhalten zu haben, um eine teure Scheidungsabfindung an seine Frau begleichen zu können. Dadurch habe er letztlich 50.000 irische Pfund (63.500 Euro) zurücklegen können. Am vergangenen Freitag zahlte Ahern rund 90.000 Euro an diese Geschäftsleute zurück - die erhaltene Summe plus etwa fünf Prozent Zinsen. Am Dienstag entschuldigte er sich vor dem Parlament dafür, die Angelegenheit nicht auf die beste Art und Weise gehandhabt zu haben.

Regierungskrise droht

Wegen der Affäre droht in Irland eine Regierungskrise. Die Progressiven Demokraten, die mit Aherns Fianna Fail eine Koalitionsregierung bilden, haben die bisherigen Erklärungen des Regierungschefs als unzureichend verurteilt. Abgeordnete der Fianna Fail erklärten dagegen, bis 1995 habe es in Irland keine gesetzliche Regelung über Geschenke an Politiker gegeben, so dass Ahern keine Rechtsverletzungen begangen habe. (APA/AP)

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    Bertie Ahern beim Verlassen des Parlaments am Dienstag abend, nachdem er von den Abgeordneten zu seinen Finanzen befragt wurde.

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