Gebeine von Euthanasie-Opfern aus Massengrab geborgen

11. Oktober 2006, 16:09
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Bislang die Überreste von 50 potenziellen Opfern der "Aktion Brandt" in Menden-Barge entdeckt - beinahe die Hälfte davon Kinder

Menden - Bei der Suche nach mutmaßlichen NS-Opfern in Nordrhein-Westfalen sind die Behörden nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg vom Mittwoch bereits auf 50 Skelette gestoßen. Etwa bei der Hälfte habe es sich um Kinder im Alter von einem bis sieben Jahren gehandelt. Am Mittwoch waren auf dem katholischen Friedhof im sauerländischen Menden-Barge 15 weitere Tote geborgen worden. "Sie lagen größtenteils in einer diffusen Gemengelage Schulter an Schulter", sagte ein Sprecher der Bezirksregierung.

"Nacht- und Nebelaktion"

Die Behörde fühlte sich in dem Verdacht bestätigt, dass es sich um Opfer eines nahe gelegenen Ausweichkrankenhauses der Nationalsozialisten handeln könne. Auch einige der am Mittwoch freigelegten Skelette zeigten Amputationsspuren. "Es deutet einiges auf eine Nacht- und Nebelaktion hin", sagte der Sprecher. Die Skelette seien nur etwa 80 Zentimeter unter der Grasnarbe der Friedhofswiese gefunden worden. Nur bei einem Toten wurden Reste eines Sargs gefunden.

Die Grabungen auf dem Friedhof sollen fortgesetzt werden. Ein weiterer Zeuge hatte eine Stelle beschrieben, an der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von einem Lastwagen Leichen in eine Grube gekippt worden sein sollen, sagte der Sprecher.

Gerüchten nachgegangen

Die Grabungen auf dem Friedhof waren durch Gerüchte und Hinweise von Zeitzeugen ausgelöst worden. Nur einige hundert Meter Luftlinie von dem Friedhof entfernt war zur Zeit des NS-Regimes 1943 ein Barackenlager als "Ausweichkrankenhaus" aus dem Boden gestampft worden. Ermittler der Dortmunder Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen vermuten, dass dort möglicherweise im Rahmen der "Aktion Brandt" Menschen getötet worden sein könnten. Die Aktion Brandt geht auf den Leibarzt Adolf Hitlers zurück, der auch für das Euthanasie- Programm in der NS-Zeit verantwortlich gemacht wird. (APA/dpa)

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    Gerüchte und Hinweise von Zeitzeugen hatten letzlich die Grabungen ausgelöst.

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