"Otto Loewi Memorial Lecture" in Graz

4. Oktober 2006, 18:26
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Heurige Ausgabe der Vortragsreihe dem Pharmakologen, der vor 70 Jahren den Medizin-Nobelpreis erhielt, gewidmet

Graz - Vor 70 Jahren erhielt der in Frankfurt am Main geborene Pharmakologe Otto Loewi den Nobelpreis für Medizin. Dem Forscher, der erstmalig die chemische Übertragung von Nervenimpulsen nachweisen konnte, widmet die Medizinische Universität Graz nun eine "Otto Loewi Memorial Lecture". Die im Zweijahresrhythmus stattfindende Vortragsreihe startete am Mittwochnachmittag mit der israelischen Wissenschafterin Ada Yonath.

1936 erhielt Otto Loewi zusammen mit dem Briten Sir Henry Dale den Nobelpreis für Medizin. "Die 70. Wiederkehr hat die Med Uni zum Anlass genommen, die Memorial Lecture einzurichten, aber auch, um daran zu erinnern, dass Otto Loewi wegen seiner jüdischen Wurzeln 1938 gezwungen wurde, das von den Nazis besetzte Österreich zu verlassen", erklärte Rektor Gerhard Franz Walter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Graz. Es sei auch geplant, ein Otto-Loewi-Stipendium einzurichten.

Thema Österreich und Israel

Erste Festrednerin war Ada Yonath. Ihr Forschungsschwerpunkt ist u. a. das Ribosom. Im Jahr 2000 entschlüsselte Yonath die komplexe Struktur des Ribosoms, 2001 entdeckte sie mit einem Forscherteam die genaue Funktionsweise von Antibiotika. Für sie sei die Frage nach dem "Wie" immer das Wichtigste gewesen, erklärte Yonath. Oft sei sie in ihrer Arbeit als Verrückte, Träumerin oder sogar Lügnerin bezeichnet worden. Der wahre Dank ginge an jene Menschen, die sie "einfach machen" ließen, so Yonath. Die Wissenschafterin kritisierte, dass viele Forschungsförderungen von Ergebnissen abhängig seien, die in regelmäßigen Zeitabständen vorzuweisen seien - vor allem bei komplexeren Dingen brauche man aber mehr Zeit.

Den Beginn der diplomatischen Beziehung zwischen Israel und Österreich könne man im Jahr 1956 festlegen, so Dan Ashbel, Jerusalems Botschafter in Österreich. Als Otto Loewi Österreich verlassen musste, gab es noch keinen Staat Israel, er konnte nur dorthin flüchten, wo er überhaupt aufgenommen wurde. Dies würde heute nicht wahrgenommen, dass man damals nicht nur rausgeworfen worden sei, sondern auch nicht wusste, wohin man gehen konnte, erklärte Ashbel. Die Beziehung zwischen Israel und Österreich hätte viele Höhepunkte und Talfahrten gehabt, nun sei man auf einer "guten Ebene".

Der David-Herzog-Fonds

Das Jahr 1938 habe die Vertreibung der jüdischen Mitglieder der Universität Graz durch die Nazis gebracht, berichtete Uni Graz-Vizerektorin Roberta Maierhofer. Um das interkulturelle Lernen und Verstehen speziell im Bezug auf die jüdische Kultur zu fördern, sei 1988 der David-Herzog-Fonds an der Uni Graz eingerichtet worden, benannt nach dem letzten Landesrabbiner der Steiermark im Jahre 1938. Seit 2005 umfasse der Fonds alle steirischen Universitäten. Über 20 Nobelpreisträger könnten mit der Steiermark in Verbindung gebracht werden, vor 1938 hätte es sogar drei amtierende an Grazer Universitäten gegeben, erklärte die steirische Wissenschaftslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V). (APA)

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