Österreicher-Konsortium soll Wasserkraftwerke in Bosnien bauen

19. Oktober 2006, 14:41
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Geschätztes Investitionsvolumen zwischen 2,5 und 3,5 Mrd. Euro - APET führt Exklusivgespräche mit bosnischer Regierung

Wien/Sarajevo - Eine österreichische Firmengruppe bewirbt sich in Bosnien um insgesamt acht Kraftwerksprojekte mit einem geschätzten Investitionswert von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro. Über die Errichtung von vier Wasserkraftwerken verhandelt die Regierung der bosniakisch-kroatischen Föderation in Sarajevo exklusiv mit der APET (Austrian Power & Environment Technology GmbH), die als Schirmgesellschaft für die österreichischen Firmen auftritt, wie das "WirtschaftsBlatt" berichtete.

Bei den vier Wasserkraftwerken, bei denen die APET aus 37 Bewerbern bereits als strategischer Partner ausgewählt wurde, geht es um ein Investitionsvolumen von 800 Mio. Euro, heißt es in dem Bericht. Die APET wurde vor acht Jahren auf Betreiben der österreichischen Regierung gegründet und gehört je zur Hälfte der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) und der Fortis Bank. Unter dem Schirm der APET treten in Bosnien Firmen wie Siemens, Andritz, VA Tech Hydro, Alstom Power Austria, Alpine-Mayreder, Porr, Pöyry (ehemals Verbundplan) oder die zur A-TEC von Mirko Kovats gehörende Austrian Energy & Environment (AE&E) auf, erklärte APET-Geschäftsführer Christian Terraneo im Gespräch mit der APA.

Bei dem genannten Investitionsvolumen von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro für die acht Projekte handle es sich um eine grobe Schätzung der bosnischen Seite, sagte Terraneo. Was die Umsetzung der vier Wasserkraftwerke betreffe, "sitzen wir exklusiv mit den Bosniern am Tisch, müssen aber noch mit ihnen auf einen grünen Zweig kommen, etwa was die Art der Finanzierung betrifft". An einer Beteiligung der an der Errichtung beteiligten Unternehmen seien die Bosnier nicht interessiert, man schließe Beteiligungen jedoch nicht aus, "wenn es die bosnische Seite wünscht".

Vier Projekte

Bei den vier Wasserkraft-Projekten handelt es sich um Ustikolina (3 x 22 MW), Vranduk (21 MW), Rmanj Manastir (2 x 36 MW) und Vrilo (42 MW). Zum Vergleich: Das Kraftwerk Wien-Freudenau hat eine Leistung von 172 MW.

Bei den vier thermischen Kraftwerken und den zugehörigen Kohleminen sei die APET unter den letzten vier Bewerbern, sagte Terraneo. Im Rennen sei auch noch die Energie Baden-Württemberg (EnBW), die mit mehr als 31 Prozent am niederösterreichischen Versorger EVN beteiligt ist. Konkret geht es um Block 7 des Kraftwerks Tuzla (370 MW), Kakanj (250 MW), das Kohlebergwerk und das Kraftwerk in Bugojno (2 x 300 MW) und das Kohlebergwerk und Kraftwerk Kongora (2 x 275 MW).

Auch der österreichische Verbund war, wie berichtet, an einzelnen Kraftwerksprojekten in Bosnien interessiert. Der Verbund dürfte jedoch nicht zum Zug gekommen sein, weil er eine direkte Beteiligung angestrebt habe, sagte der APET-Geschäftsführer. Die Kraftwerke sollen im Eigentum der moslemisch-kroatischen Föderation bleiben, als Gegenleistung soll das österreichische Konsortium Stromlieferungen von den bosnischen Versorgern Elektroprivreda BiH und Elektroprivreda HZ Herceg Bosna erhalten, berichtete die kroatische Wirtschaftszeitung "Poslovni dnevnik". (APA)

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