Volkswirtschaftliche Schadenssumme in Osteuropa höher als in Subsahara-Afrika

4. Oktober 2006, 15:23
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Forscher schätzen "Wohlfahrtsverlust" durch Aidsausbreitung auf umgerechnet 950 Milliarden Euro

Kiel - Die Ausbreitung von Aids in Osteuropa hat nach einer neuen Studie zumindest in absoluten Zahlen deutlich höhere volkswirtschaftliche Schäden verursacht als in ganz Afrika südlich der Sahara. Die Forscher Julia Fimpel von der Andrássy-Universität in Budapest und Michael Stolpe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) schätzen den bisherigen "Wohlfahrtsverlust" durch HIV und Aids in 25 Ländern Osteuropas auf umgerechnet 950 Milliarden Euro, berichtete das IfW am Mittwoch. Das entspreche etwa 16 Prozent der jährlichen Produktionsleistung dieser Region in den Jahren 1995 bis 2001.

In der laut IfW-Erkenntnissen einzigen methodisch vergleichbaren Studie hätten Tomas Philipson von der Universität Chicago und Rodrigo Soares von der Universität Maryland für Subsahara-Afrika kürzlich einen Wohlfahrtsverlust von 800 Milliarden US-Dollar (gut 630 Milliarden Euro) ermittelt, in etwa die gesamte Produktionsleistung eines Jahres. Als Wohlfahrtsverlust bezeichnen Wirtschaftsforscher die Abweichung des tatsächlichen Wohlstands vom im perfekten Markt möglichen Wohlstand.

Zahlen noch eher vorsichtig geschätzt

Fimpel und Stolpe weisen darauf hin, dass ihre eigene Studie die wahren sozialen Kosten von HIV und AIDS in Osteuropa wahrscheinlich unterschätze. Die Untersuchung berücksichtige die Kosten durch den Tod der Menschen als Arbeitskräfte und Verbraucher, nicht aber das Leiden der HIV-Positiven vor ihrem Tod. Bei Krankheitshäufigkeit und Ansteckungsraten unterscheiden sich die einzelnen Ländern deutlich. Mitteleuropa ist bisher weit weniger betroffen als die Hauptländer der früheren Sowjetunion und die baltischen Staaten.

Es sei aber zu erwarten, dass die Epidemie alle Länder erfasse, wenn nicht eine länderübergreifende Strategie für Prävention und Behandlung der Krankheit durch verstärkte Investitionen in die relevante medizinische Infrastruktur unterstützt wird, hieß es. (APA/red)

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