Dow Top, Öl Flop

19. Oktober 2006, 12:57
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Allianz Invest empfiehlt US-Aktien - Öl billiger, Inflationsängste rückläufig, geopolitische Risiken "derzeit gering"

Wien - Nach einem neuen Rekord am US-Aktienmarkt und weiter fallenden Ölpreisen strotzen die Anlageexperten geradezu vor Zuversicht für die Börsen, speziell für den US-Aktienmarkt. Trotz gestiegenen Zinsen, geplatzter "Housing Bubble" und Anzeichen für eine abkühlende US-Konjunktur rechnet etwa die Allianz mit einer "Jahresend-Rallye".

"Wir erwarten an den Aktienmärkten zum Jahresende hin eine schöne Bewegung nach oben", erklärt Allianz Chief Investment Officer Martin Bruckner. Die diesen Sommer zum Stillstand gekommenen laufenden Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed hätten sich zwar bemerkbar gemacht, letztlich aber nur eine "leichte Abflachung" der Wirtschaftsdynamik bewirkt, so Bruckner am Mittwoch vor Journalisten. Die Allianz empfiehlt, amerikanische und europäische Titel überzugewichten und rät wegen der im Vergleich zu Europa höheren Zinsen auch zu US-Anleihen.

Ende des Zinserhöhungszyklus

"Nach dem Ende eines Zinserhöhungszyklus" hätten sich die Aktien in den USA historisch immer besonders gut entwickelt. Die Aktien-Bewertungen seien allgemein "weiterhin historisch attraktiv", selbst die US-Stocks seien bisher "noch einiges an Performance schuldig geblieben". Noch wohlfeiler, nämlich "äußerst günstig bewertet", sind nach Meinung der Allianz die europäischen Papiere. Vor japanischen Aktien und Anleihen wird eher abgeraten.

Aktien-Skepsis lässt die Allianz Invest lediglich für die Energiebranche durchblitzen (deren Aktien derzeit mit einem KGV zwischen 7 und 10 bewertet werden). Nach dem "massiven Ölpreisrückgang könnten sich die Gewinnerwartungen für 2007 als überzogen erweisen", wird gewarnt. Für die anderen Aktien sei der Ölpreiscrash dagegen ein "Turbo", die Inflationsängste seien rückläufig und die geopolitischen Risiken "derzeit gering", glaubt man in der Allianz Invest. Freilich könnte sich das ändern. Auch könnte der Wirtschaftsabschwung stärker ausfallen und in eine Rezession münden.

Bessere Kunjunktur

Martin Hüfner, Chef-Ökonom des Discount-Brokers direktanlage.at, rechnet speziell für Europa mit fallenden Öl- und Rohstoffpreisen, einer besseren Konjunktur, niedriger Inflation, steigenden Gewinne und weiter guten Kapitalmärkten. Hüfner glaubt, dass im derzeitigen Ölpreis von unter 60 Dollar weitere "wenigstens 10 Dollar" für den ungelösten Iran-Konflikt eingepreist seien.

Der US-Ölpreis ist diese Nacht mit 58,27 Dollar pro Fass (159 Liter) auf den niedrigsten Stand seit acht Monaten gesunken. Der Dow Jones-Index, in dem 30 große Industriewerte in den USA abgebildet werden, hatte gestern Nacht einen neuen Rekordstand von 11.727,34 Punkten erreicht. Die bisherige Höchstmarke von 11.722,98 Zählern bei Börsenschluss war am 14. Jänner 2000 erzielt worden. (APA)

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