Handymasten in Kirchtürmen spalten Österreich

30. Oktober 2006, 11:09
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Verbote in vielen Diözesen im Westen - 400 Sendeanlagen in Österreichs Gotteshäusern

Ob Handymasten-Steuer oder mögliche Gesundheitsgefährdung, das Aufstellen von Sendeanlagen in Österreich sorgt immer wieder für Diskussionen. Die Betreiber versuchen deshalb, die wenig geliebten Empfangshelfer so spärlich und unauffällig wie möglich postieren - auch in Kirchtürmen. Die Diözesen in Österreich haben dazu unterschiedliche Vorgehensweisen: In Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und Salzburg hat sich die katholische Kirche gegen die Anlagen ausgesprochen, wie bei einem Rundruf der APA deutlich wurde.

West-Ost-Gefälle

Rund 400 Kirchen in Österreich beherbergen Sendeanlagen, schätzte eine Expertin von T-Mobile Austria, "wobei auch auf Grund der Verbote ein West-Ost-Gefälle herrscht". Die Entscheidung über einen Masten liege in erster Linie bei den Pfarren, so die Sprecher der Diözesen einhellig im APA-Gespräch, sollte kein prinzipielles Verbot vorliegen. Bei den Verträgen gibt es Unterschiede, manche Diözesen handeln den Rahmenvertrag mit den Betreibern aus, manche überlassen die Verhandlungen den Pfarren selbst. Meist hat auch das Bauamt der Diözesen auf Grund des Denkmalschutzes ein Wort mitzureden. Die Verträge laufen 15 bis 20 Jahre, bei den Mieten gibt es große Unterschiede. Vor allem auf Grund der Lage und Reichweite liegen sie bei 200 bis 600 Euro im Monat. Eine Klausel findet sich in vielen Verträgen: Falls eine wissenschaftlich fundierte Gesundheitsgefährdung durch die Handymasten vorliegen würde, erklären sich die Handybetreiber bereit, die Masten sofort abzumontieren.

Die Gegner

Die Diözesen Linz, Innsbruck, Feldkirch und Salzburg haben sich alle aus ähnlichen Gründen gegen Sendeanlagen entschieden. "Es geht vor allem um die Frage der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Bevölkerung", sagte Walter Buder, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Feldkirch. Solange es keine Gutachten gäbe, die von einer Ungefährlichkeit der Masten sprechen, würden keine neuen Masten aufgestellt.

Kein Geld

Als "zweckwidrig" hat der Pastoralrat der Diözese Linz die Sendeanlagen eingestuft, "die Türme sind Sakralgegenstände und damit sollte man kein Geld verdienen", betonte Herbert Preis von der Finanzkammer der Linzer Diözese. Seit zwei Jahren gibt es die Richtlinie, laut seinen Schätzungen gibt es "höchstens 30 bis 40 Anlagen" in Oberösterreichs Kirchen. Eine "genaue Statistik" sei nicht möglich, weil es auch Pfarren gäbe, die auch "ohne Genehmigung der Diözese" Anlagen zulassen würden. Zwei Kirchen in Bezau und Bludenz (Vorarlberg) , in Uderns und Ruhm (Tirol) sowie in St-Andrä (Salzburg) beherbergen noch Anlagen, diese würden noch bis zum Auslaufen des Vertrages stehen bleiben.

"Nicht unwesentliche Einnahmen"

Burgenland ist anders, meinte Lois Berger, Umweltbeauftragter und Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt. 35 Kirchen beherbergen Sendeanlagen. "Wo andere sich aufregen, sagen die Leute hier: Endlich Empfang!" Die burgenländischen Pfarren wären sehr klein und daher froh über "die nicht unwesentlichen Einnahmen", sonst "brauchen sie mehr Geld von der Diözese". Außerdem wären die Kirchtürme meist wesentlich weiter weg von den Wohngegenden, "da profitiert die Gemeinschaft und keine Einzelperson".

"Sie dienen der Kommunikation"

"Man kann davon ausgehen, dass die Anlagen die Tradition der Kirche weiterführen, sie dienen der Kommunikation", sah Burkhard Kronawetter, Liegenschaftsreferent der Diözese Gurk-Klagenfurt kein Problem. "Das ist mit der Würde des Gotteshauses gut vereinbar."

Auch in Kärnten wird das Aufstellen von Handymasten dementsprechend befürwortet, 35 bis 40 Masten gibt es: "Wir wollen damit ja auch verhindern, dass Handymasten neben der Kirche auf dem Acker stehen und die Sicht verschmutzen", ergänzte Friedrich Breitfuss, Leiter der Bauabteilung. Ein Verbot wie in anderen Bundesländern komme nicht in Frage, das Thema sei "ausgereizt, weil die Netze bereits ausgebaut sind."

Wien eher positiv

120 Handymasten gibt es in der Diözese Wien, dort ist man den Handymasten gegenüber eher positiv eingestellt. Es sei "gewissermaßen ein Körberlgeld für die Pfarrgemeinde", außerdem seien andere Installationen wie Blitzableiter auch notwendig und "das seit 200 Jahren", sagte der Pressesprecher Erich Leitenberger. Ähnlich auch in der Steiermark, so Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau: "Wir sehen das Thema gelassen", die Kirchtürme selbst seien "nicht heilig" und die Masten vom Sakralraum "weit entfernt".

Die Verbote im Westen liegen den Handybetreibern allgemein im Magen, denn Kirchtürme seien in ihrer Beschaffenheit "ideale Standorte", erklärte Claudia Übellacker vom Mobilkom-Umweltteam. "Ähnlich wie bei einem Leuchtturm" würden die Emissionen das Gebiet "ausleuchten, ohne direkt in ein Gebäude zu strahlen". Fällt der Kirchturm weg, "müsse man von außen statt mit einer mit zwei Sendemasten reingehen", meinte Harald Daspelgruber von Drei, weil es in der Mitte dann "Signalschwächen" gäbe. Bei der Gesundheitsklausel in den Verträgen waren sich die Betreiber einig: Man würde sie nicht "so relativ leichtfertig machen", wenn es eine Gefährdung gebe, so Daspelgruber.

"Keine billige Lösung"

Entgegen vieler Behauptungen seien Sendeanlagen in Kirchtürmen "keine billige Lösung", oft würden die Betreiber im Gegenzug für niedrigere Mieten Sanierungstätigkeiten durchführen, so Margit Kropik von T-Mobile. Auch die Denkmalschutzauflagen sind manchmal ein teures Vergnügen: "In Tirol wurde die Sendeanlage direkt in einen Spitzturm integriert, dazu mussten wir die normalen Ziegel durch sehr teure Glasfaserkunststoffteile austauschen." Generell hat sie wenig Verständnis für die Verbote in Westösterreich, "man will die religiösen Gefühle der Menschen ja nicht mit Füßen treten, aber mit dem Geld können die Pfarren ja auch etwas für die Gemeinden tun." Als Umweltbeauftragte war sie viel in den Gemeinden unterwegs, sie erlebe in der Bevölkerung oft totale Falschinformation: "Die Leute schnitzen sich oft ihre eigenen Regeln in der Physik, weil sie Angst vor der Technik haben." (Veronika Mauerhofer/APA)

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