Verbote in vielen Diözesen im Westen - 400 Sendeanlagen in Österreichs Gotteshäusern
Ob Handymasten-Steuer oder mögliche
Gesundheitsgefährdung, das Aufstellen von Sendeanlagen in Österreich
sorgt immer wieder für Diskussionen. Die Betreiber versuchen deshalb,
die wenig geliebten Empfangshelfer so spärlich und unauffällig wie
möglich postieren - auch in Kirchtürmen. Die Diözesen in Österreich
haben dazu unterschiedliche Vorgehensweisen: In Oberösterreich,
Tirol, Vorarlberg und Salzburg hat sich die katholische Kirche gegen
die Anlagen ausgesprochen, wie bei einem Rundruf der APA deutlich
wurde.
West-Ost-Gefälle
Rund 400 Kirchen in Österreich beherbergen Sendeanlagen, schätzte
eine Expertin von T-Mobile Austria, "wobei auch auf Grund der Verbote
ein West-Ost-Gefälle herrscht". Die Entscheidung über einen Masten
liege in erster Linie bei den Pfarren, so die Sprecher der Diözesen
einhellig im APA-Gespräch, sollte kein prinzipielles Verbot
vorliegen. Bei den Verträgen gibt es Unterschiede, manche Diözesen
handeln den Rahmenvertrag mit den Betreibern aus, manche überlassen
die Verhandlungen den Pfarren selbst. Meist hat auch das Bauamt der
Diözesen auf Grund des Denkmalschutzes ein Wort mitzureden. Die
Verträge laufen 15 bis 20 Jahre, bei den Mieten gibt es große
Unterschiede. Vor allem auf Grund der Lage und Reichweite liegen sie
bei 200 bis 600 Euro im Monat. Eine Klausel findet sich in vielen
Verträgen: Falls eine wissenschaftlich fundierte
Gesundheitsgefährdung durch die Handymasten vorliegen würde, erklären
sich die Handybetreiber bereit, die Masten sofort abzumontieren.
Die Gegner
Die Diözesen Linz, Innsbruck, Feldkirch und Salzburg haben sich
alle aus ähnlichen Gründen gegen Sendeanlagen entschieden. "Es geht
vor allem um die Frage der gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Bevölkerung", sagte Walter Buder, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
der Diözese Feldkirch. Solange es keine Gutachten gäbe, die von einer
Ungefährlichkeit der Masten sprechen, würden keine neuen Masten
aufgestellt.
Kein Geld
Als "zweckwidrig" hat der Pastoralrat der Diözese Linz die
Sendeanlagen eingestuft, "die Türme sind Sakralgegenstände und damit
sollte man kein Geld verdienen", betonte Herbert Preis von der
Finanzkammer der Linzer Diözese. Seit zwei Jahren gibt es die
Richtlinie, laut seinen Schätzungen gibt es "höchstens 30 bis 40
Anlagen" in Oberösterreichs Kirchen. Eine "genaue Statistik" sei
nicht möglich, weil es auch Pfarren gäbe, die auch "ohne Genehmigung
der Diözese" Anlagen zulassen würden. Zwei Kirchen in Bezau und
Bludenz (Vorarlberg) , in Uderns und Ruhm (Tirol) sowie in St-Andrä
(Salzburg) beherbergen noch Anlagen, diese würden noch bis zum
Auslaufen des Vertrages stehen bleiben.
"Nicht unwesentliche Einnahmen"
Burgenland ist anders, meinte Lois Berger, Umweltbeauftragter und
Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt. 35 Kirchen
beherbergen Sendeanlagen. "Wo andere sich aufregen, sagen die Leute
hier: Endlich Empfang!" Die burgenländischen Pfarren wären sehr klein
und daher froh über "die nicht unwesentlichen Einnahmen", sonst
"brauchen sie mehr Geld von der Diözese". Außerdem wären die
Kirchtürme meist wesentlich weiter weg von den Wohngegenden, "da
profitiert die Gemeinschaft und keine Einzelperson".
"Sie dienen der Kommunikation"
"Man kann davon ausgehen, dass die Anlagen die Tradition der
Kirche weiterführen, sie dienen der Kommunikation", sah Burkhard
Kronawetter, Liegenschaftsreferent der Diözese Gurk-Klagenfurt kein
Problem. "Das ist mit der Würde des Gotteshauses gut vereinbar."
Auch in Kärnten wird das Aufstellen von Handymasten
dementsprechend befürwortet, 35 bis 40 Masten gibt es: "Wir wollen
damit ja auch verhindern, dass Handymasten neben der Kirche auf dem
Acker stehen und die Sicht verschmutzen", ergänzte Friedrich
Breitfuss, Leiter der Bauabteilung. Ein Verbot wie in anderen
Bundesländern komme nicht in Frage, das Thema sei "ausgereizt, weil
die Netze bereits ausgebaut sind."
Wien eher positiv
120 Handymasten gibt es in der Diözese Wien, dort ist man den
Handymasten gegenüber eher positiv eingestellt. Es sei "gewissermaßen
ein Körberlgeld für die Pfarrgemeinde", außerdem seien andere
Installationen wie Blitzableiter auch notwendig und "das seit 200
Jahren", sagte der Pressesprecher Erich Leitenberger. Ähnlich auch
in der Steiermark, so Georg Plank, Sprecher der Diözese Graz-Seckau:
"Wir sehen das Thema gelassen", die Kirchtürme selbst seien "nicht
heilig" und die Masten vom Sakralraum "weit entfernt".
Die Verbote im Westen liegen den Handybetreibern allgemein im
Magen, denn Kirchtürme seien in ihrer Beschaffenheit "ideale
Standorte", erklärte Claudia Übellacker vom Mobilkom-Umweltteam.
"Ähnlich wie bei einem Leuchtturm" würden die Emissionen das Gebiet
"ausleuchten, ohne direkt in ein Gebäude zu strahlen". Fällt der
Kirchturm weg, "müsse man von außen statt mit einer mit zwei
Sendemasten reingehen", meinte Harald Daspelgruber von Drei, weil es
in der Mitte dann "Signalschwächen" gäbe. Bei der Gesundheitsklausel
in den Verträgen waren sich die Betreiber einig: Man würde sie nicht
"so relativ leichtfertig machen", wenn es eine Gefährdung gebe, so
Daspelgruber.
"Keine billige Lösung"
Entgegen vieler Behauptungen seien Sendeanlagen in Kirchtürmen
"keine billige Lösung", oft würden die Betreiber im Gegenzug für
niedrigere Mieten Sanierungstätigkeiten durchführen, so Margit Kropik
von T-Mobile. Auch die Denkmalschutzauflagen sind manchmal ein teures
Vergnügen: "In Tirol wurde die Sendeanlage direkt in einen Spitzturm
integriert, dazu mussten wir die normalen Ziegel durch sehr teure
Glasfaserkunststoffteile austauschen." Generell hat sie wenig
Verständnis für die Verbote in Westösterreich, "man will die
religiösen Gefühle der Menschen ja nicht mit Füßen treten, aber mit
dem Geld können die Pfarren ja auch etwas für die Gemeinden tun." Als
Umweltbeauftragte war sie viel in den Gemeinden unterwegs, sie erlebe
in der Bevölkerung oft totale Falschinformation: "Die Leute schnitzen
sich oft ihre eigenen Regeln in der Physik, weil sie Angst vor der
Technik haben."
(Veronika Mauerhofer/APA)