Unternehmensanleihen im Trend

4. Oktober 2006, 23:00
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Corporate Bond Fonds unterscheiden zwischen "Investment Grade" und "High Yield". Experten sehen jetzt den Zeit- punkt zum Einsteigen

Gang an die Börse oder Bankkredit? Weder noch, sagen sich mehr und mehr Firmenchefs mit Kapitalbedarf. Die Ausgabe einer Unternehmensanleihe bietet sich zunehmend als Alternative an.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen sind mit der Einführung des Euro und den somit weggefallenen Währungskursrisiken die Bedingungen für grenzüberschreitende, großvolumige Anleiheemissionen bedeutend besser geworden. Zum anderen brachte "Basel II" einen zusätzlichen Schub für die Branche. Die damit einhergehenden strengeren Eigenkapital-Richtlinien für Banken treten zwar erst Anfang 2007 in Kraft, ließen die Institute aber schon in letzter Zeit bei den Kreditrisiken gehörig die Zügel straffen.

Dazu kommt eine "neue Generation" an Finanzvorständen, die "nicht mehr nur von den Banken abhängig sein wollen", wie dies Bernhard Pieb, Corporate Bond Experte der BA-CA-Tochter Capital Invest, ausdrückt. Immer mehr Unternehmen nehmen also lieber den Weg zum Kapitalmarkt, anstatt für die Finanzierung einer anstehenden Expansion zu ihrer Hausbank zu pilgern.

Weiterer wichtiger Grund ist, dass es sich bei der Ausgabe eines Corporate Bonds im Vergleich zu einem Börsegang um unterschiedliche Strategien handelt: Die Ausgabe (neuer) Aktien bedeutet eine Aufstockung des Eigenkapitals und hat meist Änderungen in der Eigentümerstruktur des Unternehmens zur Folge. Wer eine Unternehmensanleihe ausgibt, nimmt Fremdkapital auf, die Eigentümerstruktur ändert sich nicht.

2005 Rekord an Neu-Emissionen

Den bisherigen Rekordwert an Neu-Emissionen in Österreich gab es 2005 mit einem Gesamt-Volumen von 4,08 Milliarden Euro (40 Neu-Listings). Dieser Wert wird heuer bei weitem nicht erreicht werden können: Per 29. September zählte die Wiener Börse 17 Neunotierungen mit einem Gesamtwert von 1,147 Mrd. Euro. Die jüngste davon ist die auf 200 Millionen Euro Emissionsvolumen aufgestockte zehnjährige Anleihe der CA Immo AG, die damit ihre Expansion in Österreich und Deutschland finanzieren will. Weiter österreichische Unternehmen, die heuer eine Anleihe emittierten, sind etwa Andritz (200 Millionen Euro, sieben Jahre Laufzeit), Porr (60 Mio., fünf Jahre), Sport Eybl & Sports Experts (30 Mio., sieben Jahre) sowie die Strabag-Mutter FIMAG (75 Mio., fünf Jahre).

Die Mehrheit dieser Anleihen weist Stückelungen von 50.000 oder 100.000 Euro auf, richtet sich also an institutionelle Anleger. Sollen auch Kleinanleger die Anleihe zeichnen, ist eine Stückelung von maximal 500 Euro notwendig. Wegen der höheren Kosten (Kapitalmarktprospekt etc.) macht dies laut Experten allerdings nur bei Emissionsvolumina von 50 Millionen aufwärts Sinn.

Investieren in Coporate Bond Fonds

Wem die Investition in eine einzige Unternehmensanleihe zu unsicher ist, der kann auch in einen "Corporate Bond Fonds" investieren. Diese Fonds können grundsätzlich in zwei Kategorien eingeteilt werden: "Investment Grade"-Fonds, die sich auf Anleihen erstklassiger Schuldner mit einer Bonität von Triple-A bis Triple-B konzentrieren, sowie "High Yield"-Fonds, die sich auf Corporate Bonds niedrigerer Bonitätsklassen und höherer Verzinsung konzentrieren. Erstere eignen sich auf Grund ihrer hohen Bonität gut für Anleger mit hohem Sicherheitsbewusstsein, letztere sind nur risikoaffinen Anlegern oder als Beimischung zu einem gut diversifizierten Portfolio zu empfehlen.

Karl Brandstötter, Leiter des Fondsmanagements der Erste Bank-Tochter Sparinvest, empfiehlt einen "breiten Mix" an Unternehmens- und Staatsanleihen. Rein österreichische Anleihenfonds machen für Brandstötter "aus Streuungsgesichtspunkten keinen Sinn." Der Fondsmanager empfiehlt eine Übergewichtung europäischer Währungen. Vor allem europäische High-Yield-Anleihen seien seit Jahresbeginn der Outperformer an den Rentenmärkten und bleiben als Beimischung ein wichtiger Ertragsbringer. "Interessante Perspektive" eröffnen auch Emerging-Markets-Rentenfonds, die neben dem Zinsabstand zu den Staatsanleihenfonds auch über ein beträchtliches Aufwertungspotenzial ausgewählter Währungen verfügen (besonders türkische Lira und ungarischer Forint).

Sparinvest hat unter anderem den Fonds ESPA Bond Europe High Yield auf dem Markt, der zum größten Teil in Anleihen europäischer Unternehmen investiert, deren Bonität im Regelfall deutlich unter jener von Staatsanleihen des Euro-Raumes (nach Moody's: Baa und niedriger) liegt. Der Schwerpunkt liegt auf den Branchen Grundstoffindustrie, Industrie und Medien, der Fonds schaffte im Jahr 2003 mit 14,59 Prozent den bisherigen Spitzenwert bei der Performance, im Vorjahr lag sie bei 5,57 Prozent.

Vom richtigen Zeitpunkt

Für den Einstieg in Rentenfonds sieht Brandstötter jetzt genau den richtigen Zeitpunkt. Die Zinserhöhungsängste aus dem ersten Halbjahr seien nun an den Märkten eingepreist, der Markt beginne, sich mit US-Zinssenkungen anzufreunden.

Bernhard Pieb von der Capital Invest sieht das ähnlich. Der Ausblick sei nicht schlecht, aber im High Yield-Bereich rechnet er bald mit steigenden Ausfällen; hier müsse man "eher vorsichtig" sein.

Capital Invest hat mit dem "Corporate Trend Invest" einen Fonds auf dem Markt, der überwiegend in auf Euro lautende Unternehmensanleihen (Corporate Bonds und Bank Bonds) investiert. Es werden nur Anleihen mit Investment Grade Rating (AAA bis BBB) gekauft, drei österreichische Unternehmensanleihen - EVN, OMV, Wienerberger - sind im Portfolio. Die Jahresperformance betrug zuletzt 5,05 Prozent.

Begrenzter Markt

Den österreichischen Markt für Unternehmensanleihen sieht Margit Poglits-Raffetseder von der zur Volksbanken-Gruppe gehörenden Investkredit, die mit dem "Mittelstandsbond" eine Lösung speziell für Mittelständler anbietet (siehe dazu Artikel Corporate Bonds: Die Firma als Emittent) grundsätzlich sehr begrenzt. Die Anzahl gut "gerateter" Mittelständler sei enden wollend, Kleinanleger als Zielpublikum seien nicht attraktiv, weil dies einerseits die Emission u.a. durch die verbindliche Auflage eines Kapitalmarktprospekts wesentlich verteuern würde. Andererseits bestehe auch kein Bedarf dafür: Bisher habe man überhaupt keine Probleme gehabt, die Anleihen unter institutionellen Anlegern platzieren zu können, so die Investkredit-Managerin.

Bernhard Pieb sieht in Österreich ein generelles Problem in der niedrigen Liquidität am Sekundärmarkt, d.h. dem Handel mit bereits platzierten Anleihen. Im Gegensatz etwa zu Deutschland gebe es hier in Wien praktisch keinen aktiven Handel.

In der Wiener Börse wird dies etwas anders gesehen: Zum einen seien Anleihen von der Natur her eher "Buy-and-hold"-Papiere, die nicht wie Aktien gehandelt werden, so Sprecherin Beatrix Exinger. Zum anderen habe es durchaus Versuche gegeben, den Sekundärmarkt zu beleben. Die seien aber gebremst worden - und zwar von den Händlern österreichischer Großbanken, denen die Wiener Börse zu 50 Prozent gehört. (Martin Putschögl)

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    Der neue James Bond, "Casino Royale", kommt im November in die Kinos. Wer weniger zocken will, setzt auf "Investment Grade" Corporate Bond Fonds.

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