Atomtest-Ankündigung löst international Besorgnis aus

5. Oktober 2006, 19:35
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Annan warnt vor zunehmenden Spannungen - China mahnt zur Zurückhaltung - Rice: "Provokation"

New York/Peking/Seoul - Der von Nordkorea angekündigte Atomwaffentest hat international Besorgnis ausgelöst. UNO-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer Verschärfung der Spannungen in der Region. Noch am Mittwoch wollte sich der Weltsicherheitsrat mit dem Vorhaben Pjöngjangs befassen. China mahnte zur Zurückhaltung. Man hoffe, dass die nordkoreanische Seite "einen kühlen Kopf bewahrt". Südkorea warnte die kommunistische Führung im Norden vor den Konsequenzen eines Atomtests. Südkorea werde niemals Kernwaffen im nördlichen Nachbarland tolerieren.

Provokation

Die USA verurteilten die Ankündigung Nordkoreas. Ein derartiger Atomtest wäre eine Provokation, erklärte Außenministerin Condoleezza Rice auf einer Pressekonferenz in Kairo.

Annan kündigte im Falle eines Tests eine Verurteilung Nordkoreas durch die internationale Gemeinschaft an. Er forderte die Führung in Pjöngjang zur größten Zurückhaltung und zur Einhaltung des internationalen Atomtest-Moratoriums auf. Außerdem müsse Nordkorea zu den Sechs-Länder-Gesprächen zurückkehren, damit der Streit über das Atomprogramm auf dem Verhandlungswege gelöst werden könne, forderte Annan in seiner Erklärung, die am Dienstagabend in New York verbreitet wurde.

Rückkehr an den Verhandlungstisch

Auch ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums forderte Mittwoch früh in Peking eine Rückkehr Pjöngjangs an den Verhandlungstisch. "Wir hoffen, dass Nordkorea sich bei diesem Thema ruhig und beherrscht verhält." Seine Regierung hoffe, dass alle Parteien den Dialog wieder aufnähmen, um friedlich gegenseitige Befürchtungen aus dem Weg zu räumen und "Abstand von Handlungen zu nehmen, die die Spannungen noch vergrößern könnten".

Sechs-Länder-Gespräche

China habe sich immer für eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen eingesetzt. Die Sechs-Länder-Gespräche mit Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland sollten wieder vorangebracht werden, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in Nordostasien zu wahren. China ist ein wichtiger Verbündeter des kommunistischen Regimes.

Der Atomstreit mit Pjöngjang wird in der nächsten Woche auch ein Schwerpunkt bei Treffen des südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun mit dem neuen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Seoul und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Peking sein. Das Präsidialamt in Seoul kündigte den Besuch von Abe für Montag und Rohs Reise nach China für Freitag an. Bei beiden Treffen stünde auch die Diskussion um eine friedliche Beilegung des Streits um das Atomwaffenprogramm Nordkoreas im Mittelpunkt, hieß es. Abe hatte am Dienstag Nordkoreas Pläne für einen Atomversuch als "absolut inakzeptabel" bezeichnet.

Wirtschaftssanktionen

Nordkorea hatte am Dienstag einen Atomtest angekündigt und dies mit der Notwendigkeit zur Selbstverteidigung angesichts eines drohenden Atomkriegs begründet. Bei Sechs-Länder-Gesprächen mit China, Japan, Russland, den USA und den beiden koreanischen Staaten wurde seit drei Jahren versucht, Nordkorea von der Entwicklung von Atomwaffen abzubringen. Die Gespräche liegen jedoch seit November 2005 auf Eis. Die nordkoreanische Seite hatte als Vorbedingung für ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch die Aufhebung der gegen Pjöngjang verhängten Wirtschaftssanktionen gefordert.(APA/dpa/AFP/AP)

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