Passagiere in Istanbul gelandet

10. Oktober 2006, 11:56
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Entführer der Turkish Airlines war nicht bewaffnet - Mann droht wegen verweigertem Militärdienst Haft

Istanbul - Die Passagiere des nach Italien entführten türkischen Flugzeugs sind an ihrem eigentlichen Zielort Istanbul eingetroffen. Die Maschine der Fluggesellschaft Turkish Airlines mit 105 Passagieren landete am Mittwoch in der Früh auf dem Atatürk-Flughafen. Die Passagiere sollten kurz von der Polizei befragt werden. Die meisten Passagiere sind Albaner.

Wehrdienstverweigerer

Der Entführer sollte mit der Maschine der Turkish Airlines von der albanischen Hauptstadt Tirana wegen Wehrdienstverweigerung nach Istanbul abgeschoben werden. Er sei an einem freien Tag im Mai nicht in seine Kaserne zurückgekehrt und nach Albanien geflohen. Der Mann war den Angaben zufolge vom Islam zum Christentum konvertiert. Über griechischem Luftraum brachte er die Maschine unter seine Kontrolle und zwang sie zur Landung im süditalienischen Brindisi.

"Wir sind zu zweit"

Zunächst war von zwei Luftpiraten die Rede gewesen. Der Mann sei ins Cockpit vorgedrungen und habe gerufen "Wir sind zu zweit", teilten die italienischen Behörden mit. Deshalb sei man zunächst davon ausgegangen, dass es sich um zwei Entführer handle. Der Pilot der Boeing 737-400 setzte über dem griechischen Luftraum einen Notruf ab. Er berichtete, er habe zwei Personen an Bord, "die nach Italien wollen, um den Papst zu sehen und ihm eine Botschaft zu überbringen".

Bitte um politisches Asyl

Jets der italienischen Luftwaffe eskortierten die Maschine nach Brindisi, wo der Luftpirat aufgab. Er bat um politisches Asyl. Verletzt wurde bei der Entführung niemand. Bei einer Durchsuchung des Flugzeugs wurden keine Waffen gefunden, wie die italienischen Behörden mitteilten.

Italienische Sicherheitsbeamte beschrieben den Entführer nach Medienberichten als "nicht aggressiv". Provinzpräsident Michele Errico sagte, der Mann habe einen "verängstigten" Eindruck gemacht. Beim Verlassen der Maschine soll er sich bei den Passagieren entschuldigt haben.

Vergebliches Bemühen um Asyl

Türkischen Medienberichten zufolge hatte sich der 28-Jährige im Mai nach Albanien abgesetzt und dort vergeblich um Asyl bemüht. Bei der Landung in Istanbul sollte der Abgeschobene nach Angaben der türkischen Behörden als Fahnenflüchtiger festgenommen werden. Im August hatte sich der Mann in einem Brief an Papst Benedikt XVI. gewandt und ihn um Hilfe gebeten. Darin schrieb er laut türkischen Medien, er wolle als Christ nicht in einer moslemischen Armee dienen. Er habe im Christentum "das wahre Leben gefunden".

Botschaft an den Papst

Nach der Landung in Italien hatte der Mann unter anderem verlangt, eine Botschaft an Benedikt XVI. überbringen zu dürfen. Deshalb war zunächst spekuliert worden, dass der Entführer gegen die jüngsten Islam-Äußerungen des Papstes und einen im November geplanten Türkei-Besuch Benedikts protestieren wolle.(APA/dpa/AP)

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