Mitarbeiter warnen: AUA "gefährdet"

25. Oktober 2006, 14:19
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Der Bord-Betriebsrat will sich in den kommenden Tagen per "Urabstimmung" an alle Mitarbeiter richten - In einer Petition kritisiert man die Chefs scharf

Wien/Schwechat – Verspätungen waren am Mittwoch im Flugverkehr von Wien weg zu registrieren – doch zu einem guten Teil bedingt durch starke Winde am Vormittag in ganz Westeuropa. Vorsorglich hatte die AUA jedenfalls wegen der Betriebsversammlung zwei Überseeflüge (New York und Toronto) um zwei Stunden nach hinten verlegt.

Der Bordbetriebsrat der AUA war indessen sehr erpicht darauf, die "Medienöffentlichkeit“" aus der Betriebsversammlung auf dem Flughafen Wien Schwechat draußen zu halten. Waren doch _bereits am Vortag die Reizworte "Kampfmaßnahmen" und "Streik" gefallen.

Hinter den verschlossenen Türen ging es dann hoch her – das am Dienstag von Austrian-Airlines-Chef Alfred Ötsch bekannt gegebene Sparpaket wurde quasi in der Luft zerissen: Das Management solle "unverzüglich" den angekündigten Abbau von 83 Piloten-Positionen sowie 187 Jobs in der Kabine zurücknehmen, so die Belegschaftsvertreter in einer Petition. Die AUA beschäftigt insgesamt 711 Piloten und rund 1900 Flugbegleiter, zum Teil in Teilzeitdienstverhältnissen. Die Regionalflugtochter Tyrolean Airways ("Austrian arrows") hat 473 Piloten und 490 Flugbegleiter.

Dem Vernehmen nach ärgerte die Mitarbeiter weiters, dass sich das Management in vergangenen Perioden trotz Verlusten Prämien genehmigt hätte, andererseits von den Mitarbeitern verlangt werde, dass sie heuer bei weiteren Verlusten "freiwillig" auf bis zu zwanzig Prozent ihrer Einkommen verzichten sollten.

Jetzt will der Betriebsrat zunächst eine Urabstimmung initiieren, mit der die Mit_arbeiter auf ihre Bereitschaft zu weiteren "Maßnahmen" abgefragt werden soll. Dies ist eine formale Voraussetzung für alle Aktionen, bis hin zum Streik.

Bei der AUA wogt der Arbeitskonflikt zwischen Bordpersonal und dem Management seit 2003, als es im Herbst zu mehrtägigen Streiks kam. 2004, nach weiteren Arbeitsniederlegungen und Marathonverhandlungen, vereinbarte man schließlich einen neuen Kollektivvertrag. Die Flugbetriebe von AUA und Lauda Air werden zusammengelegt, erstmals gibt es ein einheitliches Gehaltsschema.

Den dadurch aus Mitarbeitersicht bereits geleisteten „Beitrag zur Sanierung des Unternehmens“ habe das Management "leichtfertig verspielt" – durch eine "komplett fehlgeleitete Unternehmensstrategie", heißt es in der Petition weiter, "die wirtschaftliche Situation der Austrian Airlines und aller Mitarbeiter erscheint mehr als gefährdet". Finanzen, Vertrieb/Marketing, und Human Resources hätten "nachweislich unterdurchschnittliche Performance" gezeigt.

Der AUA-Aktienkurs hat sich nach den Verlusten vom Dienstag am Mittwoch wieder erholt. Trotzdem dürften viele Anleger verärgert über die Zustände bei der AUA sein. Am Dienstag wurde eine Kapitalerhöhung über 350 Millionen Euro bekannt gegeben. Privatinvestorenschützer Wilhelm Rasinger sagt im Standard-Gespräch: „Mich haben Anleger angerufen und gesagt: Jetzt fängt das Theater wieder von vorne an. Die AUA ist eine Story der Enttäuschungen.“ Rasinger kritisiert mangelnde Strategie festigkeit der AUA-Führung: "Man kann jetzt nicht nur g’schwind Geld heranschaffen und dann so weitermachen wie bisher." Die Kapitalerhöhung, mittels der einmal Altschulden gedeckt werden müssen, sei "nur eine lebensverlängernde Maßnahme, aber kein Beitrag zur Gesundung". (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.10.2006)

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    Pilotenkappen der AUA-Piloten auf der Ablage vor der Betriebsversammlung: Alles deutet auf einen Konflikt hin.

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