Oberösterreich: Stalkingopfer mit Blumen bedroht

5. Oktober 2006, 10:36
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Polizei und Gewaltschutzzentren sind erstaunt über die Zahl der Stalking-Fälle in Oberösterreich. Bis Ende August gab es 34 Anzeigen

Das seit Juli geltende Gesetz gegen Stalker war längst überfällig.

Linz - An einem Tag lag Schneckengift vor ihrer Haustüre, tags darauf musste sie über ein Blütenmeer in ihre Wohnung steigen. Es folgten unzählige Liebesbeschwörungen per SMS, zum Schluss passte er sie mit dem Auto vor ihrer Wohnung ab. So die Leidensgeschichte einer von 80 Frauen, die exemplarisch für die aller Betroffenen steht. Diese Opfer suchten Hilfe bei der Interventionsstelle gegen Gewalt in Linz.

Strafbestand<>< "ich="" war="" ganz="" erstaunt="" über="" die="" hohe="" anzahl",="" sagt="" die="" geschäftsführerin="" der="" interventionsstelle,="" maria="" schwarz-schlöglmann.="" sie="" wertet="" diese="" opferzahl="" als="" beweis,="" dass="" es="" "einen="" dringenden="" handlungsbedarf="" seitens="" der="" justiz"="" gegeben="" habe.="" seit="" juli="" ist="" stalking="" in="" österreich="" ein="" straftatbestand.="" wer="" eine="" person="" "beharrlich="" verfolgt",="" dem="" droht="" eine="" freiheitsstrafe="" bis="" zu="" einem="" jahr.="" zu="" fast="" 90="" prozent="" sind="" die="" täter="" männer.="" in="" den="" meisten="" fällen="" handle="" es="" sich="" um="" die="" ex-partner,="" die="" die="" entscheidung="" der="" frau,="" sich="" von="" ihnen="" zu="" trennen,="" nicht="" akzeptieren="" können,="" berichtet="">

Form der Bedrohung

Auch Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl ist erstaunt über die offensichtlich nicht gerade seltene Form der Bedrohung. Bis Ende August lagen in Oberösterreich 34 Anzeigen vor. "Die Zahlen für September sind noch nicht bekannt , doch man kann davon ausgehen, dass sie sich verdoppelt hat", schätzt Lißl.

Erste Verurteilungen von Stalkern hat es schon gegeben Seit Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt einen Rechtsanspruch auf eine "psychosoziale und juristische Prozessbegleitung" haben, wagen es mehr Frauen, ihre Peiniger vor Gericht zu bringen. Diese Erfahrung hat die Interventionsstelle in Linz gemacht.

Mehr Prozesse

Auch die gesetzlich verankerte Prozessbegleitung ist in Österreich noch nicht lange gültig. Erst mit diesem Jahr wurden die Opferschutzbestimmungen ausgeweitet. Seitdem gibt es einen Fördervertrag zwischen den Gewaltschutzzentren und dem Justizministerium, in dem die Rechtsbegleitung der Opfer finanziell abgesichert wird. Damit stieg auch die Zahl der Gewaltprozesse. Bei der Interventionsstelle in Linz habe sich die Anzahl seitdem verdoppelt, sagt deren Geschäftsführerin. Waren es vor Inkrafttreten der Novelle rund 50 Fälle pro Jahr , die vor Gericht kamen, sind es jetzt 100.

Der erste Stalking-Prozess, bei dem wir eine Frau begleitet haben "wurde vorbildlich geführt", betont Schwarz-Schlöglmann. Der Täter erhielt zwar nur eine dreimonatige Freiheitsstrafe, doch diese wurde für die Probezeit von drei Jahren bedingt ausgesprochen. Außerdem verhängte der Richter noch ein Kontaktverbot. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe 4.10.2006)

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