Unter Siegern

3. Oktober 2006, 18:09
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Kaffeehaus in Wien am Tag nach der Nationalratswahl 2006. Zwei österreichische Intellektuelle Mitte dreißig.

DER ERSTE: Und? Wen hast du?

DER ZWEITE: Nicht.

DER ERSTE: Ah, eh auch nicht. Und wen?

DER ZWEITE: SPÖ. Du?

DER ERSTE: Ich hab' nicht Grün. SPÖ wollt' ich nicht nicht schon wieder.

DER ZWEITE: Versteh' ich gut. Ich hab' diesmal sogar kurz überlegt, ob ich nicht die Kommunisten nicht wähl'.

DER ERSTE: Geh bitte!

DER ZWEITE: Hab' ich eh nicht. SPÖ war schon richtig. Ich bin echt froh, dass der Gusenbauer geworden ist.

DER ERSTE: Warum hast du ihn dann nicht gleich gewählt?

DER ZWEITE: Bist teppert? Der Mann ist völlig unwählbar! Genau wie die anderen.

DER ERSTE: Ein Unterschied ist schon, find' ich. Der Van der Bellen ist weniger unwählbar.

DER ZWEITE: Ach, das sind Spitzfindigkeiten. Hauptsache, das Ergebnis stimmt.

DER ERSTE: Was mich ein bissl stört, ist, dass die FPÖ so gut abgeschnitten hat.

DER ZWEITE: Naja, weißt eh, die Rechten. Zu teppert zum Nichtwählen.

(Vorhang)

(DER STANDARD/Printausgabe, 3.10.2006)

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