Del Ponte kritisiert Serbien wegen Stillstands bei Mladic-Suche

5. Oktober 2006, 15:35
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UNO-Chefanklägerin unzufrieden wegen ausbleibender Festnahme

Belgrad - Im Konflikt um den gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic hat die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, erneut die serbische Regierung kritisiert. Sie sei unzufrieden mit Serbiens Bemühungen, Mladic zu finden und an das Haager Tribunal zu überstellen, sagte del Ponte am Dienstag in Belgrad. "Ich will Mladic in Den Haag haben. Es ist nicht nur eine Frage der technischen Einzelheiten, sondern auch eine des politischen Willens."

Die Überstellung Mladics ist einer der Kernpunkte im Verhältnis zwischen Serbien und der Europäischen Union (EU). Die EU setzte im Mai Verhandlungen über ein Abkommen aus, weil Mladic immer noch nicht gefasst ist. Auf die Frage, ob sie sich bei der EU dafür einsetzen werde, dass die Gespräche wieder aufgenommen würden, sagte Del Ponte: "Nicht jetzt. Vielleicht in den nächsten Wochen. Ich hoffe immer noch, ich bin eine Optimistin." In der vergangenen Woche hatte schon EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn gesagt, die Gespräche blieben unterbrochen, weil Serbien kein Zeichen des Fortschritts gegeben habe.

Mladic gilt als einer Hauptverantwortlichen der Verbrechen in Srebrenica vor elf Jahren, dem schlimmsten Massaker an Zivilisten in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Er war im Bosnien-Krieg Armeechef der bosnischen Serben und ist seit Jahren auf der Flucht. Gesucht wird zudem weiterhin der Expräsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic. (APA/Reuters/dpa)

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