Unmut gegen van Staa

4. Oktober 2006, 11:52
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Kritik an "abgehobener Politik", aber keine Obmanndiskussion

Innsbruck - Ungewöhnlich sanft reagiert Tirols Landeshauptmann und VP-Chef Herwig van Staa auf parteiinterne Kritik vor dem Landesparteivorstand am Dienstagabend in Innsbruck: "Alle Wortmeldungen sind ernst zu nehmen."

Wendelin Weingartner, dem van Staa 2002 nicht gerade im Stile einer friedlichen Hofübergabe nachgefolgt war, hat van Staa in der Tiroler Tageszeitung vorgeworfen, die "Wir-Tiroler-Volkspartei in eine Ich-Partei verwandelt" zu haben und abgehoben zu agieren. Bei den Landtagswahlen 2008 sei der Landeshauptmannsessel in Gefahr. Ähnlich argumentiert auch AK-Präsident Fritz Dinkhauser.

Van Staa gibt zu, dass es in der Partei "immer wieder da und dort Unmut" gäbe und bedauert, dass seine Kritiker am Parteitag im Juni 2005 geschwiegen hätten. Den Ratschlägen von Parteifreunden, "weniger zu arbeiten und mehr zu den Leuten zu gehen", wolle er künftig noch ernster nehmen.

Die VP-Verluste in Tirol (acht Prozent) sieht van Staa im Bundestrend, er orte "kein Problem in der Landespolitik". Zugleich anerkennt er "regionalpolitische Aspekte, die vereinzelt auch zum Tragen gekommen sind". Etwa in Osttirol und insbesondere in Matrei, wo die ÖVP wegen der Planungen für ein Pumpspeicherkraftwerk, das von einer Mehrheit abgelehnt wird, mit minus 15 Prozent bedacht worden ist.

Auf Distanz geht van Staa zur "Kanzlerduell"-Strategie im Wahlkampf, auch wenn er sie mitgetragen hätte. Es bringe nichts zu sagen, "es geht uns gut", wenn es ein Arbeitsloser oder eine Alleinerzieherin individuell anders empfindet. Zugleich habe es sich Schüssel verdient, selbst über seine politische Zukunft zu entscheiden. (Hannes Schlosser/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2006)

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