Lausbefall in Aquafarmen bedroht junge Wildlachse

10. Oktober 2006, 14:45
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Kanadische Forscher konnten verheerende Auswirkungen für freilebenden Bestand durch gezüchtete Artgenossen nachweisen

Edmonton - Wolken von Seeläusen aus Aquafarmen infizieren und töten bis zu 95 Prozent der jungen Wildlachse, wenn diese auf dem Weg ins Meer sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie um den Wissenschaftler Martin Krkosek von der University of Alberta in Edmonton. Den Forschern ist es damit erstmals gelungen zu beweisen, welche verheerenden Auswirkungen die Zuchtlachse unter ihren freilebenden Artgenossen anrichten.

Stark bedroht

"Es ist ein weitere Feststellung, wie gefährlich die Auswirkungen der Zucht für die wild lebenden Tiere sein können", schreiben die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences. Die Fischfarmen sind deswegen errichtet worden, damit die Supermärkte mit billigen Angeboten überschwemmt werden, merkt das Wissenschaftsmagazin National Geographic an. "Die wild lebenden Tiere sind durch Überfischung bis an den Rand des Aussterbens gedrängt worden, nun gibt es Zuchtlachse, die dementsprechend billig sind." Schon im Vorjahr hatte das Forscherteam festgestellt, dass die Wildlachs-Bestände durch Seeläuse aus Zuchtbetrieben wesentlich stärker gefährdet sind als angenommen. Seeläuse sind parasitische Krustentiere, die auch Fische befallen.

"Diese neuen Resultate werden die Debatte um Zuchtlachse aus Aquafarmen definitiv neu anregen", zeigt sich der Fischereiexperte Ray Hilborn von der University of Washington in Seattle überzeugt. Seeläuse sind für adulte Lachse keine besonders große Gefahr und kommen auch häufig vor. Für Jungtiere bedeuten diese Parasiten aber häufig den Tod, da diese große Löcher in die Haut der Fische bohren und dort offene Wunden hinterlassen. Ein weiteres Problem für die Wildbestände sind freigekommene Zuchttiere. In einer anderen Studie konnten 80 Prozent der Lachsbestände in Norwegen zu Fischfarmen zurückverfolgt werden. Im Jahr 2002 sind mehr als 600.000 Lachse aus einer einzigen Fischfarm auf den Färöer-Inseln freigekommen. In Schottland sollen es mittlerweile auch über eine Million solcher Lachse geben, die von Zuchtfarmen in die Wildnis gelangten. "Das Problem hier entsteht, weil die Zuchtformen jene sind, die einen klaren kompetativen Vorteil genießen und die regulären heimischen Arten verdrängen", so Jeremy Read, Direktor des Atlantic Salmon Trust, einer Umweltorganisation zum Schutz der Lachse.

"Freibrief für Raubbau"

"Wir haben immer schon vor den Auswirkungen der Aquakulturen gewarnt. Bei den Lachsfarmen muss man von einer Massentierhaltung sprechen, noch schlimmer ist die Mast von Tunfischen", so Nina Thüllen, Meeresbiologin bei Greenpeace-Österreich. Thüllen sieht neben den Krankheiten und Parasiten das größte Problem allerdings bei der Nahrung der Zuchtlachse. "Das ist eine reine Proteinverschiebung, denn Zuchtfische brauchen Fischmehl als Nahrung. Und dieses stammt wieder aus dem Meer", so Thüllen. Andere Arten würden hemmungslos abgefischt, damit man genügend Futter für die Aquafarmen zur Verfügung habe. "Damit wird erneut ein Freibrief für den Raubbau mit unkontrollierter Fischerei in den Meeren gegeben." Ein weiteres Problem stelle die große Menge an Fäkalien aus den Aquafarmen dar. Die Menge an eingesetzten Antibiotika wurde durch das Einführen von Impfaktionen jedes einzelnen Lachses zurückgedrängt. (pte)

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    Gezüchtete Lachse sind billig und sollen die wildlebenden Artgenossen vor weiterer Überfischung und die Gewässer generell schützen - Billiger sind sie, der Rest ist weit gefehlt: Zur Befütterung der Aquafarmen würden einerseits andere Arten überfischt und somit dem Ökosystem Wasser nichts Gutes getan, andererseits bringen entkommene Zuchtexemplare - 600.000 sollen es allein 2002 auf den Färöer-Inseln gewesen sein (und das aus einer einzigen Farm stammend) - Gefahr für den freien Bestand: über Läuse.

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