Van der Bellen bleibt: "Bis ich 100 bin"

5. Oktober 2006, 16:31
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Grüne sind sicher: "Wir werden die Nummer eins in der Opposition"

Wien - Einen "Hauch des Glücks" braucht es nur, glaubt Grünen-Klubobmann Alexander Van der Bellen - dann werden die Grünen nach der Auszählung der Wahlkarten tatsächlich mehr Stimmen haben als die FPÖ. Van der Bellen und seine Stellvertreterin Eva Glawischnig präsentierten Journalisten und überaus gut gelaunten Bundesvorstands-Mitgliedern eine parteiinterne Hochrechnung, wonach die Grünen mit 524.086 Stimmen, also 11,17 Prozent, rechnen. Damit würde auch ein Mandat zu den Grünen wandern, und zwar (nach grünen Berechnungen) vom BZÖ. Bei den Mandaten würde also mit je 21 Parlamentssitzen Gleichstand zwischen den Grünen und der FPÖ herrschen.

Erinnerungen an 2002

Die Grünen berufen sich bei ihrer Hochrechnung auf das Ergebnis der Nationalratswahlen 2002. Bereits damals konnten sie durch das überdurchschnittlich gute Ergebnis bei den Wahlkartenwählern - sie lagen bei etwa 20 Prozent - noch ein Mandat zulegen. Die Wahlkarten werden bis Montagabend ausgezählt.

Besonders viel Applaus spendeten die sichtlich gut gelaunten Bundesvorstands-Mitglieder für eine Ankündigung Van der Bellens. "Ja, sicher, ich bleibe bis ich 100 bin", antwortete er auf die Frage, ob er bis zum Ende der Legislaturperiode Klubobmann der Grünen bleiben wolle. Schließlich seien Glawischnig und er das beste Team, das es bei den Parteien gibt, findet Van der Bellen - jedenfalls "besser als zum Beispiel Gehrer und Schüssel", meinte er schmunzelnd.

Werden die Grünen tatsächlich drittstärkste Partei, dann müssen sie sich auch über einen Kandidaten für das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten Gedanken machen. Van der Bellen wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob er selbst ins Nationalratspräsidium einziehen will. "Wir werden darüber entscheiden, wenn das endgültige Ergebnis feststeht."

"Große Genugtuung"

Die Grünen nutzten die Gelegenheit, um sich als "Nummer eins in der Opposition" (Glawischnig) zu positionieren. Van der Bellen tut es außerdem nicht Leid, dass die Grünen in der Regierung voraussichtlich nicht vertreten sein werden: "Wir beherrschen die Oppositionsarbeit bestens. Jetzt geht es sich nicht aus, also auf zur nächsten Runde." Außerdem sei das Wahlergebnis "eine Bestätigung von den Wählerinnen und Wählern für unser Programm, und das ist eine große Genugtuung".

Leise Kritik übten Van der Bellen und Glawischnig an der Berichterstattung über die Reaktionen der Grünen auf das Wahlergebnis: "Wir sind keine Schauspieler, sondern haben uns tatsächlich über den Wahlerfolg gefreut." Glawischnig habe jedenfalls "die angeblich langen Gesichter auf unseren Wahlpartys, über die berichtet worden ist, nicht gesehen". (Andrea Heigl/DER STANDARD,Printausgabe, 4.10.2006)

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