Fotografierte Zwischenfälle

10. Oktober 2006, 19:31
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"Samt und Seide" in der Kammeroper bei "Salam.Orient"

Wien - Die Handlung erinnert ein bisschen an Mozarts Così. Da gibt es einen Freund des Hauses, der jeden kennt und um keinen Rat verlegen ist. Was dort aber subtil in die Brüche geht, kann in der aserbaidschanischen Komödie Samt und Seide (Üseyir Hadschibäjov) eigentlich nur in eine Quadrupelhochzeit münden. Wobei: Der Komponist setzt auf Zwischenfälle, schlagkräftige Dialoge und sirrende Orchesterfarben.

Künstler aus divergierenden Kulturen seien, so heißt es, beim Festival Salam.Orient auf der Bühne zu finden. In diesem Glücksfall brauchte man nur auf die weit gereisten Sänger zurückzugreifen, welche sich in Wien niedergelassen haben, wie etwa Aisha Lindsey, die betörende Gültschöhra oder die resche Murielle Stadelmann als Dschahan. Wie sie Soltan Bey, in nobler Manier gesungen von Jean-Jacques Rousseau, Pfeffer gab!

Sowohl Wolfgang Sailer (als Välli) als auch Ramin Dustdar (als Äskär) wurden wie das Tanz- und Gesang-Ensemble der Performing Arts Studios Vienna und die Sinfonietta Barataria unter Michael Schnack bejubelt, vom Mitschunkeln und Fotodokumentieren während der Vorstellung ganz zu schweigen.

Die Geschichte der modernen Jugend, die gegen die Bräuche der älteren Generation rebelliert, gesungen auf Aserbaidschanisch und mit Dialogen in einer neuen deutschen Übersetzung von Elgün Niftaliyev versehen, kam also an. (henn/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 10. 2006)

Salam.Orient: bis 26. 10.
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